In Sachsen-Anhalt könnte nach der Wahl im September ausgerechnet Die Linke zum Teil einer neuen Machtarithmetik werden. In aktuellen Umfragen liegt die AfD dort bei mehr als 41 Prozent, die CDU knapp unter 25 Prozent, die SPD bei 6,4 Prozent und die FDP wäre im Magdeburger Landtag nicht mehr vertreten.
Damit hätte das derzeitige CDU-SPD-FDP-Regierungsbündnis keine eigene Mehrheit mehr. Und selbst wenn die Zahlen so bleiben, wie sie jetzt sind, reicht es für eine Mehrheit gegen die AfD nur noch über eine Konstellation, die in der CDU seit Jahren als politisch heikel gilt: ein Bündnis aus CDU, Linke und SPD.
Für die Christdemokraten wäre das mehr als ein taktisches Rechnen. Die Bundes-CDU hatte 2018 auf einem Parteitag beschlossen, weder mit der AfD noch mit der Linken institutionell oder strategisch zusammenzuarbeiten. Die CDU in Sachsen-Anhalt schloss sich 2019 dieser Linie an. Gerade deshalb ist die Debatte in Magdeburg so aufgeladen: Ohne Stimmen von links könnte es nach dem 6. September schwierig werden, eine rechts dominierte Mehrheit zu verhindern.
CDU-Politiker André Schröder versucht, die Brisanz kleinzuhalten, ohne die Lage schönzureden. Eine Zusammenarbeit mit der Linken sei nicht das Ziel, sagte er. Zugleich verwies er darauf, dass Politik in Sachsen-Anhalt nach der Wahl am 6. September weitergehen müsse. Auf die Frage nach dem Umgang mit möglichen Mehrheiten sprach er von einem Abstimmungsverhalten im Einzelfall zu Initiativen der CDU und betonte: „Wir kommen mit dieser Beschlusslage, die wir haben, völlig klar.“
Genau dort liegt der politische Druck. Die AfD in Sachsen-Anhalt wird seit November 2023 vom Landesverfassungsschutz als erwiesen rechtsextrem eingestuft. In dieser Lage sagte Linken-Fraktionschefin Eva von Angern, es gebe zu ihrer Partei keine Alternative, wenn rechte Mehrheiten in Sachsen-Anhalt verhindert werden sollen. Die Linke und die CDU lägen bei Migration und Sozialstaat weit auseinander, fügte sie hinzu, arbeiteten aber dort, wo es möglich sei, vertrauensvoll zusammen.
Auch auf Bundesebene wird die Lage aufmerksam verfolgt. Linken-Chefin Ines Schwerdtner sagte, die AfD müsse von den Schalthebeln der Macht ferngehalten werden. Zugleich stellte sie klar, dass die Tolerierung von AfD-Politik im CDU-Gewand keine Option sei. Der Satz zielt auf eine Grenze, die in Sachsen-Anhalt gerade sichtbar wird: Eine Regierung gegen rechts könnte rechnerisch nur entstehen, wenn die CDU ihre eigene Unvereinbarkeitslinie zumindest in Teilen praktisch umgeht.
Rein rechnerisch ist das Feld derzeit eng. Die Grünen und das BSW stehen beide bei 4 Prozent und spielen in den aktuellen Überlegungen keine Rolle. Damit bleibt die Frage nicht, ob es eine Alternative zur AfD gibt, sondern wer am Ende bereit ist, sie zu tragen. Nach heutigem Stand kann die CDU den Rechtsruck im Landtag nur mit Stimmen der Linken und der SPD ausbremsen. Genau das macht die Wahl in Sachsen-Anhalt zu einer Abstimmung über mehr als nur die nächste Landesregierung.
Die Antwort auf die heikle Frage liegt damit bereits auf dem Tisch: Wenn die Umfragen halten, wird die CDU in Sachsen-Anhalt an der Linken kaum vorbeikommen, wenn sie eine AfD-geführte oder von ihr abhängige Mehrheit verhindern will.

