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Italien: 12 Festnahmen in großem Verdacht auf illegalen Abfallhandel

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Italienische Ermittler haben in einem mutmaßlichen grenzüberschreitenden Netzwerk für illegalen Abfallhandel 19 Menschen und drei Unternehmen ins Visier genommen und zwölf Verdächtige festgenommen. Unter den Festgenommenen sind drei Österreicher, fünf Südtiroler, zwei deutsche Staatsbürger und zwei kroatische Staatsbürger.

Im Zentrum der Affäre stehen Ascherückstände aus Biomasseanlagen, die nach Angaben der Ermittler als Holzkohle oder Biochar deklariert und dann für Grillbriketts oder Dünger verwendet worden sein sollen. Die Behörden werfen den Beschuldigten internationalen illegalen Abfalltransport, Betrug im Handel sowie weitere Umwelt- und Wirtschaftsdelikte vor; die mutmaßlichen Taten sollen sich seit 2019 erstrecken.

Besonders im Fokus der Staatsanwaltschaft in Trento stehen die Anlagen in Vierschach und Laas in Südtirol. Die Anlage in Laas wurde beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt. Auch die steht im Verdacht, das mutmaßliche System gestützt zu haben. Gegen ihre Führung und Beschäftigte wird ermittelt, weil sie Inspektionen verzögert, günstige Auslegungen von Vorschriften erstellt und administrative Wege vorgeschlagen haben sollen, um Umweltauflagen zu umgehen.

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Die Ermittler sagen, ohne diese institutionelle Rückendeckung hätte das System nationalen und europäischen Kontrollen nicht standgehalten. In den Unterlagen tauchen auch Kontakte zu politischen Entscheidungsträgern auf, mit denen ministerielle Bewertungen beeinflusst und günstige Rechtsgutachten für die betroffenen Anlagen erreicht werden sollten. Über vier Jahre hinweg wurden in Südtirol, Venetien, der Lombardei, Österreich, Kroatien und Deutschland Durchsuchungen, Beschlagnahmen und Kontrollen von Transporten durchgeführt.

Nach Angaben der Ermittler wurde die Asche nach Kroatien und Serbien für die Brikettproduktion geliefert und nach Deutschland und Österreich für den Einsatz in Landwirtschaft, Tierfutter und Beton weitergegeben. Chemische Analysen sollen erhöhte Konzentrationen von polyzyklischen Kohlenwasserstoffen und Dioxinen gezeigt haben, was den Verdacht auf den Umgang mit toxischen Materialien stützt. An der Untersuchung waren , und beteiligt, ebenso Italiens Umwelt- und Gesundheitsministerium, das und die Zollbehörde.

Für zwei italienische Unternehmen soll sich das System nach Ermittlerangaben besonders gelohnt haben: Sie sollen durch eingesparte Entsorgungskosten und den Verkauf des Rückstands als hochwertiges Produkt illegale Gewinne von mehreren hunderttausend Euro erzielt und zusätzlich Einnahmen aus CO2-Zertifikaten kassiert haben. Der Fall zeigt, wie eng Umweltrecht, Handelsbetrug und finanzielle Anreize in solchen Netzwerken miteinander verwoben sein können — und warum law-abiding Unternehmen dabei ins Hintertreffen geraten.

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