Udo Lindenberg und Gerhard Schröder sind sich am 3. Oktober im Foyer des Hotel Hyatt in Berlin begegnet. Der Musiker sah den früheren Bundeskanzler a.D. mit vielen Einkaufstüten auf sich zukommen und machte daraus sofort eine kleine Szene.
„Joah, Gerhard, schön, dich zu sehen“, sagte Lindenberg. Dann setzte er nach: „Vor allem heute, am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Breitheit.“ Schröder lachte offenbar mit, während Lindenberg noch einen Schritt weiterging und von „Breitheit“ sprach. „Weißt du, Gerhard, Leute wie du und ich haben Deutschland ein bisschen breiter gemacht“, sagte er. „Ist jetzt breiter, also größer, Deutschland.“
Die Begegnung wurde in der Rückschau auf Lindenbergs 80. Geburtstag erzählt und passt zu dem Bild, das der Musiker seit Jahrzehnten pflegt: lässig, spöttisch, nahbar. Er beschrieb sich und Schröder als Teil einer früheren „coolen“ Deutschland-Runde, die sich nicht nur auf Staatsgeschäft, sondern auch auf das freie Herumstreunen verstand. In seinem eigenen Ton sprach Lindenberg auch davon, Schröder ein wenig zu „vermenschlichen“.
Zu dem Auftritt gehörte auch ein Seitenblick auf die Tüten in Schröders Händen. „Joah, das mit den Designertüten, das ist alles Quatsch“, sagte Lindenberg. Er fügte an: „Hab ich auch mal gemacht. Ein paar Monate lang. Nicht gut für die Liebe, ne.“ Das Publikum bekam damit weniger ein formales Wiedersehen als eine kleine, präzise Lindenberg-Nummer: freundlich, scharf und mit dem genauen Timing für den 3. Oktober.
Dass die beiden Männer sich überhaupt wieder gegenüberstanden, hatte eine Vorgeschichte. Das letzte Treffen lag Jahre zurück und fand in Lindenbergs Umkleidekabine in einem Fußballstadion statt. Schröder verwechselte damals nach reichlich Rotwein die Tür zur Toilette mit einer Schranktür und prallte im Dunkeln gegen die Wand. Diese Erinnerung macht den neuen Auftritt mehr als nur zu einer Geburtstagsanekdote. Sie zeigt, wie eng bei beiden Figuren Politik, Pose und Privatheit seit langem zusammenlaufen.
Auch der Ort fügte sich in dieses Bild. Lindenberg arbeitete in seiner Suite im Hyatt mit seiner Stylistin, „die Zarin“, als Schröder auftauchte. So wurde aus einem Hotelgang in Berlin ein Treffen, das am Ende vor allem eines lieferte: eine knappe, selbstironische Bestandsaufnahme von zwei Männern, die ihre Rollen seit Jahren mit sichtbarer Lust an der Inszenierung spielen. Und die Antwort auf die eigentliche Frage dieses Wiedersehens ist klar: Ja, die Begegnung war kein Zufallstreffer, sondern genau die Art von Szene, aus der Lindenberg seit Jahrzehnten Geschichten macht.

