Der ZDF-Film „Olivia“ über Olivia Jones hat am Mittwochabend 3,6 Millionen Menschen erreicht und ist jetzt in der Mediathek zu sehen. Der Film beginnt mit einer Rückblende in die späten 1980er Jahre und setzt dort an, wo aus Oliver Knöbel erst die spätere Figur Olivia Jones werden sollte.
Gespielt wird der junge Oliver von Arian Wegener, 14, seine Mutter Evelin von Annette Frier, 52, und der Nachbar von Martin Brambach, 58. Gleich zu Beginn zeigt der Film den Schock des Kindes vor Lippenstift und Frauenkleidung im Kleiderschrank der Mutter. Evelin sagt zu ihm: „Was soll aus dir bloß werden?“ und später: „Leute wie du sind Abschaum“. Von dort führt der Film nach St. Pauli, in eine heruntergekommene 250-Mark-Kellerwohnung, durch die Zeit der HIV-Angst und Homophobie in Hamburg bis hin zu Olivia Jones, ESC 2016 und dem „Wort zum Sonntag“.
Der Film bleibt nicht bei der Biografie stehen. Er zeigt auch, wie Evelin später in der Olivia-Jones-Bar auftaucht und wie ein Satz den Ton des ganzen Lebens setzt: „Wie hast du das gemacht, Olli?“, fragt Thorsten. Genau darin liegt die Wucht des Films. Er macht aus dem Aufstieg einer bekannten Figur ein Stück Sozialgeschichte über das Leben von Menschen, die sich lange verstecken mussten.
Der Kontext ist härter als jede Nostalgie. Der Film endet mit dem Hinweis, dass viele homosexuelle Menschen noch immer im Verborgenen leben, Szene-Treffpunkte nur diskret aufsuchen und sich auf Dating-Apps hinter anonymen Profilen verstecken. Dazu passt die Entwicklung bei Straftaten: Die Zahl der Delikte in den Bereichen „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ ist seit 2010 fast verzehnfacht worden. Für 2023 werden 1.785 Straftaten gegen LGBTQ-Menschen genannt, nach 1.188 im Vorjahr.
Auch abseits der Zahlen ist die Lage nicht beruhigend. Laut einer Spiegel-Auswertung war im vergangenen Jahr fast jedes fünfte Pride-Event Ziel rechtsextremer Störer. Der Film über Olivia Jones erzählt damit nicht nur von einem Leben, das sich aus Scham und Spott befreit hat. Er zeigt auch, warum diese Befreiung heute noch nicht für alle selbstverständlich ist. Die Frage ist längst nicht mehr, ob Olivia Jones es geschafft hat. Die Frage ist, warum so viele andere weiter mutterseelenallein im Versteck leben müssen.
