Die Ukraine hat ihre erste eigene gelenkte Gleitbombe fertiggestellt und nach 17 Monaten Entwicklung für den Kampfeinsatz freigegeben. Das System mit dem ukrainischen Namen Vyrivniuvach, auf Englisch Equalizer oder Leveler, soll Ziele tief hinter den feindlichen Linien treffen.
Brave1 erklärte am Montag in einer Videoankündigung, die Bombe sei nach allen erforderlichen Tests bereit für den Einsatz. Das neue System trägt einen 250-Kilogramm-Sprengkopf und sei von Grund auf neu entwickelt worden, nicht nach westlichen oder sowjetischen Vorbildern kopiert, sagte die Organisation. Ein Vertreter von Brave1 betonte außerdem die hochpräzise Zielerfassung und die Kompatibilität mit den derzeitigen ukrainischen Flugzeugen und Systemen.
Mychajlo Fedorow sagte, die ersten ukrainischen Gleitbomben von @BRAVE1ua seien für den Kampfeinsatz bereit. Die Piloten übten derzeit Gefechtsszenarien und passten das neue Waffensystem an reale Kriegsbedingungen an, schrieb er weiter. Fedorow sagte auch, dass ukrainische Gleitbomben bald gegnerische Ziele treffen würden.
Die Waffe kann nach Angaben von Brave1 von den ukrainischen F-16- und Mirage-Jets gestartet werden, braucht dafür aber noch zusätzliche Zertifizierungen. Der Aufwand bis zur Einsatzbereitschaft soll nicht mehr als 30 Minuten betragen, und der Einsatz sei unabhängig von Wetter oder Tageszeit möglich. Die Entwicklung sei zudem ungefähr dreimal billiger als bei der US-amerikanischen Joint Direct Attack Munition-Extended Range, hieß es.
Der Schritt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Kiew weiter auf mehr solcher präzisionsgelenkten Waffen drängt. Die Ukraine erhielt ihre ersten JDAM-ER-Kits aus den Vereinigten Staaten im frühen Jahr 2023 und bat später um Tausende weitere. Auch früher in diesem Monat genehmigten die USA einen möglichen Verkauf zusätzlicher GBU-62-JDAM-ER-Präzisionsbomben. JDAM-ERs sind ungeleitete Bomben mit Steuerkits und Flügeln, die sie zu weitreichenden Präzisionsgleitwaffen machen.
Der neue ukrainische Entwurf fällt in einen Krieg, in dem Russland selbst massiv auf Gleitbomben setzt und alte sowjetische Bomben mit Flügeln und Lenkkits zu Angriffswaffen umbaut. Solche Waffen sind schwer abzufangen, weil sie kleine Radarsignaturen haben, nur kurz in der Luft bleiben und keiner ballistischen Flugbahn folgen. Genau deshalb ist die Freigabe des Vyrivniuvach mehr als eine weitere Rüstungsmitteilung: Sie ist ein Versuch, das gleiche Schlachtfeld mit einer eigenen Waffe zu beantworten.
