Dompfarrer Toni Faber könnte in Pension gehen. Wie aus seinem Umfeld und aus kirchlichen Kreisen zu hören ist, führt Erzbischof Josef Grünwidl mit ihm ernsthafte Gespräche über Fabers öffentliches Auftreten und seine künftige Rolle am Stephansdom.
Faber sagte dem STANDARD, er könne sich vorstellen, als Dompfarrer in Pension zu gehen. Gleichzeitig hoffe er, weiter als einfacher Priester in St. Stephan tätig sein zu können, mit Messen, Taufen und ähnlichen Aufgaben. Der 64-Jährige wird nächstes Jahr 65 und steht seit gut 30 Jahren an der Spitze der Dompfarre.
Für die Kirche in Wien ist das mehr als eine Personalfrage. Faber war über Jahre eines der bekanntesten Gesichter von St. Stephan. Er sagte selbst, er habe in seiner Zeit als Dompfarrer zu einer dringend notwendigen, öffentlich sichtbaren Rolle der Kirche beigetragen. Rein seelsorgerisch habe er rund 1500 Personen zum Eintritt oder Wiedereintritt in die Kirche bewogen. Das ist eine Zahl, die in einer Phase sinkender Bindung an die Kirche Gewicht hat.
Brisant ist auch der Weg, auf dem es nun zu den Gesprächen kommt. Faber trat seit einigen Jahren mit einer neuen guten Freundin öffentlich auf, auch bei Bällen und am Opernball. Zugleich machte er mit einer offenen Haltung zum Zölibat von sich reden. Vor rund 1000 Jahren wurde das Zölibat in der Kirche eingeführt; Grünwidl hat in Interviews die Ansicht vertreten, dass die Entscheidung dafür oder dagegen freiwillig sein sollte. In katholischen Kreisen war Fabers Auftritt längst Gesprächsstoff, sein bisheriges Wirken wurde von Kardinal Christoph Schönborn eher mehr oder minder geduldet.
Auch ein Kunstvorstoß zeigte, wie konfliktträchtig sein Kurs geworden war. Faber ließ ein Kunstwerk von Gottfried Helnwein als Fastentuch vor dem Altar in St. Stephan aufhängen, das Domkapitel ließ es wieder entfernen. Nun deutet alles darauf hin, dass Grünwidl gegenüber Faber zu einer klareren Linie greift als sein Vorgänger. Ob der Dompfarrer tatsächlich in Pension geht, ist damit nicht mehr nur eine Möglichkeit, sondern die Richtung, in die sich die Gespräche bewegen.

