Der neue Wiener Erzbischof Josef Grünwidl führt ernste Gespräche mit Dompfarrer Toni Faber über dessen Zukunft. Nach fast 30 Jahren an der Spitze der Wiener Dompfarre steht Faber offenbar vor der Pensionierung, die der Erzbischof für nächstes Jahr anpeilt.
Faber wird im kommenden Jahr 65 Jahre alt und erreicht am 18. März 2027 das gesetzliche Pensionsantrittsalter. Derzeit laufen die finalen Gespräche über die Modalitäten des Übergangs und darüber, wo der Alt-Dompfarrer künftig eingesetzt werden könnte. Für einen Mann, der seit Jahrzehnten das Gesicht des Stephansplatzes ist, wäre das ein Einschnitt mit Signalwirkung.
Die Dimension dieser Personalie zeigt sich auch daran, wie lange Faber trotz der Debatten um seinen Lebensstil im Amt blieb. Kardinal Christoph Schönborn hat ihn über Jahre gegen interne Kritik verteidigt. Dass ausgerechnet jetzt unter Grünwidl über einen Abschied verhandelt wird, markiert einen deutlichen Tonwechsel im Erzbistum.
Faber selbst ist nach wie vor eine Ausnahmefigur. Er gilt als Österreichs wohl bekanntester Pfarrer, spricht offen von seiner guten Freundin Natalie Nemec, einer Anlageberaterin, und kokettierte öffentlich damit, über zahlreiche Angebote aus Wirtschaft, Politik und Kultur zu verfügen. Solche Auftritte sorgen seit Langem für Gesprächsstoff und Stirnrunzeln bis Rom.
Gleichzeitig verweist Faber auf die Bilanz seiner Arbeit: Er sagt, er habe am Stephansplatz bisher 1500 Menschen zum Eintritt oder Wiedereintritt in die katholische Kirche bewegt. Auch das macht den Übergang heikel. Priester können häufig noch bis ins Alter von 70 oder sogar 75 Jahren als Pfarrer aktiv sein, doch im Fall Faber scheint Grünwidl den geordneten Abschied früher durchsetzen zu wollen.
Was sich abzeichnet, ist mehr als ein gewöhnlicher Personalwechsel. Wenn die Gespräche wie erwartet in eine Pension münden, endet eine lange Ära am Stephansdom – und die Frage ist nicht mehr, ob Toni Faber geht, sondern nur noch, wie und wohin.
