Die Kölner Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen Christian Haub erhoben. Dem Eigentümer von Tengelmann wird vorgeworfen, 2021 im Vermisstenverfahren um seinen Bruder Karl-Erivan Haub eine falsche eidesstattliche Aussage gemacht zu haben.
Ein Sprecher des Kölner Landgerichts bestätigte den Eingang der Anklage vom 13. April, nannte den Beschuldigten jedoch nicht. Nun prüft das Gericht im Zwischenverfahren, ob ein hinreichender Tatverdacht vorliegt und die Anklage zum Prozess zugelassen wird.
Für Haub steht damit nicht nur eine juristische, sondern auch eine hoch sensible Familienfrage im Raum. Sein Bruder verschwand im April 2018 auf dem Weg zu einer Skitour in den Schweizer Alpen. Trotz intensiver Suche wurden weder die Leiche noch Ausrüstung gefunden. Das Kölner Amtsgericht erklärte Karl-Erivan Haub 2021 für tot.
Die Ermittlungen gegen Christian Haub laufen seit April 2024. Ausgelöst worden waren sie durch eine Anzeige der RTL-Journalistin Liv von Boetticher wegen des Verdachts der falschen eidesstattlichen Aussage. Im Zuge der Ermittlungen wurden Wohnungen durchsucht und technische Geräte beschlagnahmt.
Brisanz bekam der Fall auch durch Berichte über Überwachungskamerabilder aus Moskau, die ein Jahr vor der jetzigen Anklage veröffentlicht wurden und Karl-Erivan Haub im Februar 2021 gezeigt haben sollen. Nach Berichten soll Christian Haub Kenntnis von diesen Fotos gehabt haben. Auch Gesichtsgutachten seien an die Kölner Staatsanwaltschaft übermittelt worden, berichtete Manager Magazin. Zugleich hatte Haub über Jahre bestritten, dass es belastbare Hinweise gebe, sein Bruder lebe noch.
Die Kölner Staatsanwaltschaft wirft Christian Haub damit nicht nur eine Aussage in einem Vermisstenverfahren vor, sondern berührt einen Fall, der seit Jahren zu den größten Rätseln der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte zählt. Christian Haub übernahm nach dem Verschwinden seines Bruders die alleinige Leitung der milliardenschweren Handelsgruppe, zu der die Billigkette Kik und die Baumarktkette Obi gehören.
Ein Anwalt Haubs, Mark Binz, äußerte sich auf Anfrage nicht. Auch Tengelmann wollte den Vorgang nicht kommentieren. Ein Sprecher sagte: „Das ist eine private Angelegenheit von Herrn Haub, daher nehmen wir unternehmensseitig keine Stellung.“ Ob es zum Prozess kommt, hängt nun daran, ob das Gericht die Anklage für ausreichend belastbar hält.
