Im Erdinger Kreistag sitzen ab Montagmittag 19 neue Mitglieder, wenn das Gremium um 14 Uhr zu seiner konstituierenden Sitzung zusammenkommt. Von den 60 Mandaten sind damit genau ein Drittel neu besetzt; 20 von 60 Sitzen gehen an neue Kräfte, 19 der 60 Räte sind bei der ersten Sitzung vollständig neu im Saal.
Die größte Veränderung steckt zugleich in der politischen Statik des Hauses. Die AfD hat ihre Vertretung um drei Mandate auf acht Sitze ausgebaut und ist damit im neuen Kreistag drittstärkste Kraft. Die CSU bleibt mit 24 Mandaten klar stärkste Fraktion, gefolgt von den Freien Wählern mit 11, der SPD mit 5, der ÖDP mit 3, der Linken mit 2 und der FDP mit 1 Sitz. Die Grünen verlieren vier ihrer bisherigen zehn Plätze und kommen nur noch auf sechs Mandate.
Für die CSU bedeutet das Ergebnis trotz der 24 Sitze vor allem eines: viele neue Gesichter. Unter den Neulingen sind etwa Thomas Bartl, der Bürgermeister von Neuching, und Bernhard Hartl, der den Bürgermeisterposten in Lengdorf für die CSU zurückholte. Nicht mehr dabei sind unter anderem Jakob Schwimmer, Cornelia Vogelfänger, Barbara Lanzinger und Sosa Balderanou. Balderanou war bislang die einzige Kreisrätin mit Migrationshintergrund.
Die personelle Erneuerung reicht quer durch die Fraktionen. Bei den Freien Wählern schaffte Bernadette Lex den Sprung von Listenplatz 13 auf Platz 3; Rainer Mehringer sagte, sie sei in der Bevölkerung hoch angesehen. Lex ist 48 Jahre alt. Die neue Kreisrätin Laetitia Wegmann ist 22 und will, wie sie sagt, „als junge Frau im Kreistag“ langfristige Politik machen, die „die insbesondere die Perspektiven von Frauen und marginalisierten Personen berücksichtigt“. Lisa Schießer setzt ihren Schwerpunkt auf den öffentlichen Verkehr und sagte: „Mein Herzensthema ist ein smarter Ausbau des ÖPNV, gerade auf dem Land.“
Bei anderen Neuen zeigen sich die Themen der kommenden Amtsperiode schon jetzt. Christoph Puschmann sagte: „Insbesondere die Ausstattung der Schulen liegt mir am Herzen“. Franz Hörmann nannte neben der Finanzierbarkeit des Kreishaushalts eine vernünftige Nahversorgung mit Arzt, Einkaufen und ÖPNV als sein besonderes Augenmerk. Thomas Bauer fasste die politische Vorgeschichte der vergangenen sechs Jahre knapp zusammen: „Bisher hat man von ihnen ja nicht viel bemerkt.“ Gemeint ist damit vor allem die AfD, deren Stimmen im alten Kreistag nach Darstellung von Bauer meist weitgehend einstimmig mitliefen.
Auch jenseits der Parteigrenzen hat die Wahl Verschiebungen gebracht. Irmgard Poschs gutes Resultat wird als Zeichen für die starke Stellung der Landwirtschaft gelesen, Anna Mayr schnitt ebenfalls gut ab. Dass der Kreistag sich nun mit so vielen neuen Mitgliedern konstituiert, spricht für einen deutlichen Umbruch; zugleich zeigt die Sitzverteilung, dass die politische Mehrheit weiterhin bei der CSU und den Freien Wählern liegt. Entscheidend wird am Montag sein, ob sich die vielen Neulinge rasch in die Abläufe einfinden oder ob die neue Zusammensetzung die Beratungen spürbar verändert.
