Bei Bauarbeiten auf dem Fliegerhorst Nordholz im Landkreis Cuxhaven ist ein Panzerfahrzeug aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Das Fahrzeug wurde bei Ausschachtungen auf dem Marineflugplatz freigelegt und als Sturmgeschütz III identifiziert.
Das Sturmgeschütz war kein Panzer mit drehbarem Turm, sondern ein Fahrzeug mit fest eingebautem Rohr. Genau diese Bauweise machte es nach Angaben des Militärhistorikers Ralf Raths zu einem vergleichsweise einfachen und niedrigen Fahrzeug, das vor allem zur Abwehr anderer Panzer eingesetzt wurde. Raths sagte zugleich, es sei statistisch heute sehr ungewöhnlich, ein solches Sturmgeschütz zu finden. Dass solche Fahrzeuge nach dem Zweiten Weltkrieg vergraben wurden, sei dagegen nicht ungewöhnlich gewesen. Er sagte: „Was aber nicht ungewöhnlich war: dass sie vergraben wurden.“
Die Bergung ist nun Aufgabe des Kampfmittelräumdienstes. Der Grund ist klar: In dem Fahrzeug könnten noch alte Munitionsteile liegen. Zuständig für Material der ehemaligen Wehrmacht, das noch im Boden liegt, ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Eine Sprecherin der Behörde sagte: „Das in Nordholz gefundene Sturmgeschütz soll nach Möglichkeit geborgen und einem Museum oder einer Sammlung mit entsprechendem Sammlungsschwerpunkt zur Verfügung gestellt werden.“
Historisch passt der Fund in ein größeres Bild. Nach dem Krieg wurden ausgediente Fahrzeuge der aufgelösten Wehrmacht in Deutschland häufig vergraben. Laut Fachleuten liegen manche dieser Überreste bis heute noch im Boden, in Seen oder in Mooren. Nordholz ist deshalb kein Zufallsort, sondern ein Beispiel dafür, wie eng Militärgeschichte und Nachkriegspraxis miteinander verbunden sind. Raths beschrieb auch die damalige Logik sehr direkt: „Gedanken an Umweltschutz und so weiter haben da natürlich keine Rolle gespielt. Man hatte Bombenkrater oder Panzerabwehrgräben, wie jetzt in Nordholz, und da hat man die reingeschoben und mit Erde zugedeckt.“
Die endgültige Entscheidung über den künftigen Standort des Fahrzeugs steht noch aus. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben fragt derzeit bei geeigneten Museen und Sammlungen nach Interesse. Bevorzugt werden Einrichtungen des Bundes oder des öffentlichen Sektors. Als mögliche Abnehmer gelten das Deutsches Panzermuseum in Munster, die Wehrtechnische Studiensammlung in Koblenz und das Militärhistorische Museum in Dresden. Wegen des lokalen Bezugs könnte das Sturmgeschütz auch an das Aeronauticum in Nordholz gehen. Der Fund soll damit nicht im Boden verschwinden, sondern möglichst als seltenes Zeugnis aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten bleiben.
