Die sächsische Polizei hat am Sonntag in Dölzig bei Schkeuditz den Tiger Sandokan erschossen, nachdem sich die rund 280 Kilogramm schwere Raubkatze aus ihrem Gehege befreit und einen 72-Jährigen angegriffen hatte. Der Mann wurde mit Beiß- und Kratzwunden in einem Krankenhaus operiert.
Sandokan war neun Jahre alt und wurde als großer, majestätischer Sibirer beschrieben. Er gehörte zu mehreren Tigern, die Carmen Zander in Dölzig hielt. Die Tiere lebten in einem mit Maschendraht umzäunten Areal, das etwa die Größe eines durchschnittlichen Spielplatzes hatte. Nach dem Angriff machte sich der Tiger in Richtung einer Kleingartenanlage auf, wo sich nach Angaben der Polizei wegen des guten Wetters viele Menschen aufhielten. Für die Beamten sei die Lage deshalb akut gefährlich gewesen.
Die Staatsanwaltschaft Leipzig teilte mit, der 72-Jährige sei schwer verletzt und noch nicht vernehmungsfähig. Wie Sandokan entkommen konnte, sei weiter unklar. Noch am Sonntag wurde das Gelände auf richterliche Anordnung bis in die Nacht durchsucht. Die Ermittler wollen klären, was genau passiert ist, welche Rolle der Geschädigte hatte und ob gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen wurde.
Ein Polizeisprecher sagte, die Beamten hätten scharfe Munition eingesetzt, weil es in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei, Veterinärmediziner zu erreichen. Anders als Tierärzte verfüge die Polizei nicht über Betäubungsmittelgewehre, sagte er. Der Tiger sei in der Nähe von Schkeuditz nur 25 Meter von den Einsatzkräften entfernt gewesen, als geschossen wurde, und habe nach Behördenangaben eine Gefahr für Menschen dargestellt.
Am Tag nach dem Angriff blieb die Gegend aufgeregt. Für die Anwohner geht es jetzt nicht nur um die Frage, warum ein 52 Quadratmeter großes, mit Draht gesichertes Gehege nicht hielt, sondern auch darum, wie ein Tier dieser Größe überhaupt entweichen konnte, ohne dass es vorher bemerkt wurde. Die Ermittlungen dürften damit noch länger für Unruhe sorgen als der Einsatz selbst.

