SpaceX könnte schon am 12. Juni an die Börse gehen, und die großen Indexanbieter machen sich offenbar früh darauf gefasst. Nasdaq hat am 1. Mai die Regeln für den Nasdaq-100 geändert, kurz darauf zog MSCI nach. Beide Anpassungen könnten dafür sorgen, dass SpaceX-Aktien deutlich schneller in passive Fonds und ETFs fließen als bisher möglich gewesen wäre.
Nach den aktuellen Erwartungen könnte der Konzern zunächst weniger als fünf Prozent seiner Anteile an der Nasdaq verkaufen. In einigen Schätzungen wird SpaceX dabei mit bis zu zwei Billionen Dollar bewertet, bei einem geplanten Kapitalzufluss von rund 75 Milliarden Dollar auf Basis einer Bewertung von 1,75 Billionen Dollar. Für einen Börsengang dieser Größenordnung ist das eine außergewöhnlich frühe Weichenstellung, noch bevor das Unternehmen überhaupt seinen ersten Prospekt und offizielle Finanzzahlen veröffentlicht hat.
Der Grund liegt in den neuen Indexregeln. Nasdaq strich am 1. Mai die Vorgabe, dass mindestens zehn Prozent der Aktien frei handelbar sein mussten, um in den Nasdaq-100 aufgenommen zu werden, und verkürzte die Wartezeit für eine Aufnahme von drei Monaten auf 15 Tage. MSCI änderte seine Regeln so, dass auch Unternehmen mit weniger als fünf Prozent Free Float berücksichtigt werden können. Zuvor waren Firmen mit weniger als 15 Prozent frei handelbaren Aktien aus MSCI-Indizes wie dem MSCI World Index ausgeschlossen.
Für SpaceX ist das mehr als ein technisches Detail. Rund 18 Billionen Dollar weltweit werden von Fonds und anderen Anlegern verfolgt, die MSCI-Indizes als Maßstab nutzen. Wenn Indexanbieter ihre Regeln lockern, können ETFs und andere indexbasierte Fonds SpaceX-Aktien viel früher kaufen als unter den alten Vorgaben. Das könnte die kurzfristige Nachfrage nach den Papieren deutlich erhöhen, noch bevor viele aktive Investoren überhaupt die Bilanz des Konzerns sehen.
Die Änderungen wurden in Erwartung der SpaceX-Notierung vorgenommen, dürften aber nicht nur dieses Unternehmen betreffen. Auch andere künftige Börsengänge könnten von den gelockerten Schwellen profitieren. Ein Ökonom beschrieb die Wirkung der neuen Regeln mit Blick auf Elon Musk sinngemäß so, als würde der Markt sich „vor Elon Musk in die Knie“ zwingen. Für Anleger bleibt damit vor allem die Frage, wie stark indexgebundene Käufe den Start eines der teuersten Börsengänge der jüngeren Zeit prägen werden.

