Helmut List übergibt die Führung des Grazer Motorenentwicklers AVL an Lukas Walter. Ende Mai wechselt der 85-Jährige in den Aufsichtsrat, bleibt aber Eigentümer des Konzerns.
List stand 47 Jahre an der Spitze von AVL und prägte den Aufstieg des Unternehmens vom Familienbetrieb zu einem weltweit aktiven Mobilitätstechnologie-Konzern. Walter übernimmt den Vorsitz der Geschäftsführung und damit die operative Leitung eines Unternehmens, das zuletzt auch wirtschaftlich unter Druck geraten war.
Der Wechsel kommt nach Monaten mit schwierigen Rahmenbedingungen. Im Januar hatte AVL die Beschäftigten über weitere Jobkürzungen informiert; mehr als 300 Stellen wurden gestrichen. Der Personalabbau macht deutlich, dass der Führungswechsel nicht in einer Phase des Aufbruchs, sondern mitten in einer harten Neuordnung erfolgt.
List begann 1966 bei AVL, das 1948 von seinem Vater Hans List gegründet worden war. 1979 übernahm er die Gesamtleitung und formte das Unternehmen über Jahrzehnte hinweg zu einem international gefragten Entwickler von Antriebssystemen. Er und seine Frau Kathryn gelten zudem als großzügige Förderer der Kultur; die Helmut-List-Halle ist seit 2003 als Veranstaltungsort in Betrieb, und seit 2022 trägt List den Ehrenring.
In seiner Mitteilung sprach List von einem gemeinsam erreichten Weg zu einem führenden Technologiepartner für nachhaltige Mobilität und sagte, er werde die Entwicklung in neuer Rolle weiter begleiten und seine Erfahrung einbringen. Zugleich sei jetzt der richtige Zeitpunkt, Raum für neue Perspektiven in der operativen Führung zu schaffen, um die Transformation hin zu nachhaltiger und nutzerorientierter Mobilität konsequent voranzutreiben.
Walter wiederum stellte AVL als Unternehmen mit dem Pioniergeist von List dar und betonte den Anspruch, Mobilität technologisch weiterzudenken. Er hob hervor, dass die Fähigkeit, komplexe Antriebssysteme ganzheitlich zu entwickeln und in die Anwendung zu bringen, AVL zu einem zentralen Partner in der Transformation hin zu nachhaltiger Mobilität mache. Der angekündigte Übergang soll geordnet verlaufen. Für das Unternehmen beginnt damit ein Generationswechsel an der Spitze, während der langjährige Patriarch bleibt, was er immer war: der Eigentümer und prägende Kopf im Hintergrund.
