Lesen: Politische Partei: Merz räumt Kommunikationsproblem ein und fordert Geduld

Politische Partei: Merz räumt Kommunikationsproblem ein und fordert Geduld

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hat in Würzburg eingeräumt, dass er die Menschen nach eigener Einschätzung noch nicht genug erreicht und überzeugt. Auf dem sagte der CDU-Chef vor Teilnehmern auf einer Bühne, er müsse an seiner Kommunikation arbeiten. Aus dem Saal kam dafür lauter Applaus.

„Das weiß ich“, sagte Merz, der in Würzburg einen Schal mit den Worten „Hab Mut. Steh auf.“ trug. Er wollte an diesem Ort nicht über Distanz reden, sondern über Bewegung. Deutschland, so seine Botschaft, müsse wachgerüttelt werden, damit es bereit werde für schmerzhafte Reformen. „Ich muss noch mehr erklären“, sagte er. „Ich möchte es versuchen.“

Das war mehr als ein beiläufiges Eingeständnis. Merz stellte sich sichtbar auf die Linie eines Politikers, der um Unterstützung für unpopuläre Entscheidungen wirbt, noch bevor sie voll greifen. Gesundheit, Pflege, Renten und Steuern gehören zu den Feldern, auf denen die Regierung einschneidende Änderungen plant. Dass diese Vorhaben höhere Lasten für die Bevölkerung bringen dürften, gilt in Berlin als ausgemacht. Ebenso sicher ist, dass es sozialen Widerstand geben wird.

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Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an Merz immer wieder an: Seine Kommunikation wirke mitunter zu wenig empathisch und zu unklar. Der Auftritt in Würzburg kam nur wenige Tage nach einem anderen Signal derselben Richtung. Zu Monatsbeginn hatte Merz in der ARD-Sendung „“ gesagt, er wolle nicht „rund wie ein Kieselstein“ sprechen. Nun sagte er in Würzburg erneut, dass es ihm nicht so vorkomme, als würde er die Menschen ausreichend erreichen.

Schon am Dienstag hatte Merz beim für soziale Reformen geworben. Dort trug er seine Linie nüchterner vor. Die Rede wurde von Pfiffen und Buh-Rufen begleitet. Merz bezeichnete die Vorhaben als große Chance und bat die Gewerkschaften um Unterstützung. Er sagte zugleich, die Reformvorhaben seien „noch nicht erfolgreich abgeschlossen“.

Auffällig blieb, was er dort nicht sagte. Auf die geplanten Änderungen der wöchentlichen Arbeitszeit ging Merz beim DGB-Kongress nicht ein, obwohl genau das ein zentraler Streitpunkt mit den Gewerkschaften ist. Bei der Rentenreform machte er seine Position hingegen klar. Damit zeichnete er das Bild eines Regierungschefs, der den Umbau des Sozialstaats vorantreiben will, aber an entscheidenden Stellen Konflikte meidet.

Merz sprach in Würzburg am Ende dieser Woche vor einem anderen Publikum, doch die Grundfrage blieb dieselbe: Wie überzeugt man Menschen von Einschnitten, die sie erst einmal belasten? Seine Antwort war kein Ausweichen, sondern ein öffentliches Eingeständnis, dass seine Erklärungskraft noch nicht reicht. Wer Reformen dieser Größe durchsetzen will, muss die politische partei und die Wähler nicht nur ansprechen, sondern mitnehmen. Genau daran will Merz nun sichtbar arbeiten.

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