Lesen: Angela Merkel mahnt Maß und Mitte: Merz unter Druck

Angela Merkel mahnt Maß und Mitte: Merz unter Druck

Veröffentlicht
2 Min. Lesezeit
Anzeige

hat in dieser Woche indirekt den Rücken gestärkt und zugleich zur Zurückhaltung im Urteil über die Regierung aufgerufen. In einem -Podcast sagte die frühere Kanzlerin, jeder Bürger sollte „mit Maß und Mitte“ versuchen zu ermessen, was die Regierung schon geschafft habe. „Es ist ja nicht so, dass da gar nichts passiert ist“, sagte Merkel.

Die Worte treffen einen Kanzler, der politisch schwer belastet ist. Merz steht unter Druck, wichtige Projekte sind gescheitert, und täglich begleitet ihn negative Berichterstattung. Bei einem wurde er ausgebuht und ausgebessert, bei einem wurde Arbeitsministerin von Arbeitgebern ausgelacht. Dass Merkel nun auf Verhältnismäßigkeit pocht, ist deshalb mehr als ein freundlicher Nachsatz aus dem Ruhestand. Es ist eine klare Ansage an eine politische Öffentlichkeit, die Fehler schnell zählt und Erfolge oft erst gar nicht gelten lässt.

Merkels Einordnung passt auch zu ihrem früheren Umgang mit politischem Streit. Als sie 2015 ein weinendes Flüchtlingsmädchen aus dem Libanon traf, sagte sie: „Das hast Du doch prima gemacht.“ Damals wie heute setzte sie auf Beruhigung statt Härte, auf das Anerkennen des bereits Erreichten statt auf das schnelle Verwerfen. In diesem Sinn lässt sich ihre aktuelle Botschaft auch als Verteidigung der politischen Mitte lesen. Sie richtet sich gegen eine Debattenkultur, die von Polarisierung und den Anreizen sozialer Medien lebt.

- Advertisement -

Gegen Merz spricht dabei nicht nur die Gegenwart, sondern auch ein alter Befund. Ein wissenschaftliches Papier aus dem Jahr 2005, gestützt auf Interviews mit früheren Kollegen aus der Fraktionsarbeit um die Jahrtausendwende, kam zu einem harten Urteil: Merz sei stur, eitel, nicht teamfähig, ungeduldig und habe Situationen oft falsch eingeschätzt. Dass diese Kritik jetzt wieder mit seiner Lage zusammengedacht wird, zeigt, wie eng seine politische Schwäche mit seinem Ruf verbunden bleibt. Merkel nennt das nicht ausdrücklich. Aber ihre Worte fallen in genau diesen Raum zwischen persönlicher Bewertung und politischem Schaden.

Für Merz wird damit vor allem eine Frage entscheidend: ob er den Eindruck der Dauerkrise noch drehen kann, bevor sich der politische Verschleiß weiter verfestigt. Merkel hat ihm keinen Gefallen tun wollen. Sie hat etwas Grundsätzlicheres gesagt: Wer regiert, verdient nicht nur Widerspruch, sondern auch die faire Prüfung dessen, was bereits erreicht worden ist.

Anzeige
Diesen Artikel teilen