Belgien will seine alten F-16-Kampfjets erst dann an die Ukraine weitergeben, wenn die neuen F-35 vollständig geliefert sind und die dazugehörigen Piloten ausgebildet wurden. Die Übergabe der Flugzeuge zieht sich damit offenbar über mehrere Jahre hin, obwohl Brüssel Kiew schon im Mai 2024 30 Maschinen zugesagt hatte.
Das belgische Magazin le vif berichtete von einem Plan, wonach sieben Flugzeuge 2025, fünf weitere 2027, 14 im Jahr 2028 und 27 zusätzliche Maschinen 2029 abgegeben werden sollen. VRT NWS schrieb, der Zeitplan sei an Bedingungen geknüpft. Geert De Decker sagte dazu, die F-16 könnten erst weitergegeben werden, wenn alle F-35 ausgeliefert und die entsprechenden Piloten trainiert seien. Er formulierte es noch direkter: Zuerst müssten die eigenen Bedürfnisse erfüllt werden, und es gehe darum, das Fundament zu legen, auf dem die Ukraine weiterkommen werde.
Für Kiew ist das mehr als eine Frage des Tempos. Die F-16 gelten seit Monaten als ein zentrales Versprechen westlicher Hilfe, doch Belgien hat nach den vorliegenden Angaben bis heute nichts geliefert. Der Militäranalyst Patrick Zwerger kommentierte das knapp mit dem Hinweis, Belgien habe bislang nichts übergeben, und der Ukraine sei das womöglich sogar recht. Gemeint ist damit: Ein späterer, aber nutzbarer Zufluss kann für die ukrainische Luftwaffe wertvoller sein als früh angekündigte Maschinen, die wegen ihres Alters nicht sofort an die Front geschickt werden können.
Belgien steht dabei mitten in einem Übergang seiner eigenen Luftwaffe. Das Land ersetzt die F-16 durch in den USA gebaute F-35. Nach Angaben von Defense Express soll die gesamte F-16-Flotte bis 2028 außer Dienst gehen. Der Konflikt zwischen den Zusagen an die Ukraine und dem Aufbau der neuen Flotte erklärt, warum die Übergabe nicht einfach an einem festen Datum hängt, sondern an Auslieferungen, Ausbildung und Verfügbarkeit.
Auch die Größe der belgischen F-16-Flotte ist in den Quellen nicht ganz einheitlich. WDMMA listet 45 F-16A für Belgien, andere Angaben sprechen von 53 oder 54 Flugzeugen. Defense Express schrieb, Belgien habe ursprünglich 160 F-16-Kampfjets gehabt und die Flotte bis Ende 2024 auf 54 Maschinen reduziert. Für 2025 werden dort 42 F-16AM und acht F-16BM genannt. Zugleich berichtete Brussels Times, 34 Flugzeuge seien bereits im Bestand gewesen. Gerade diese unterschiedlichen Zahlen zeigen, wie schwer sich der genaue Überblick über die verbleibenden Maschinen inzwischen ziehen lässt.
Die Verzögerung hat damit zwei Seiten: Belgien will die Ukraine weiter unterstützen, will aber nicht zu früh auf die letzte Einsatzreserve seiner alten Jets verzichten. Für die ukrainische Seite zählt am Ende nicht die erste Ankündigung, sondern wann tatsächlich Flugzeuge ankommen, die fliegen können. Und nach allem, was jetzt bekannt ist, wird der belgische Beitrag eher schubweise kommen als in einem großen Schritt.
