60 Minutes geht mit Rekordwerten in die letzten Tage seiner 58. Staffel, doch hinter den Kulissen wächst die Sorge, dass der Kurs der Sendung nach dem 17. Mai deutlich schärfer werden könnte. Die Folge vom 12. April kam auf 10,1 Millionen Zuschauer, und das Magazin ist in dieser Fernsehsaison weiterhin das meistgesehene Nachrichtenformat.
Für die Mitarbeiter ist das kein beruhigendes Signal. Eine Reihe von Brancheninsidern rechnet nach dem Saisonende mit massiven Veränderungen, auch wenn der Sender nach eigenen Angaben nicht vorhat, das Format oder die preisgekrönte Mission der Sendung umzustoßen. Zugleich werden bei CBS News breit angelegte Entlassungen erwartet, was die Unsicherheit noch vergrößert.
Im Mittelpunkt steht Bari Weiss, die nach dem Abschluss der Übernahme von Paramount Global durch Skydance Media im August 2025 zur Chefredakteurin wurde und in der kommenden 59. Staffel erstmals vollständig über 60 Minutes bestimmen wird. Nach Angaben aus dem Umfeld des Senders soll sie zwar nicht das Grundkonzept zerlegen, doch unter den Mitarbeitern herrscht die Furcht, dass Änderungen am Ende genau die Teile treffen, die die Sendung seit Jahrzehnten tragen.
Diese Angst speist sich auch aus konkreten Personalien. Anderson Cooper kündigte im Februar an, er verlasse die Sendung, um mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen und sich auf seine -Abendsendung zu konzentrieren. Noch brisanter ist die Lage um Sharyn Alfonsi, die am 30. April in Washington nach der Verleihung des Ridenhour Prize for Courage deutlich machte, dass sie wohl vor der nächsten Staffel gehen werde. Sie sprach dort von der Ausbreitung von „corporate meddling“ und editorialer Angst bei der Redaktion.
Alfonsis Auftritt folgte auf einen Streit um ihre Arbeit. Weiss hatte am 21. Dezember einen Beitrag Alfonsis über die Abschiebung venezolanischer Migranten durch die Trump-Regierung in ein Gefängnis in El Salvador zurückgestellt und erklärt, der Beitrag müsse überarbeitet werden, um die Sicht der Regierung besser darzustellen. Ein CBS-News-Mitarbeiter sagte später, das klinge „wie bei allem anderen bei CBS News“, und ein anderer Insider warnte, die Stimmung sei so angespannt, dass die Leute „auf etwas Monumentales warten“.
Gerade darin liegt der Widerspruch, der den Moment bestimmt: Öffentlich verweist der Sender auf Kontinuität, intern rechnen viele mit einem harten Schnitt. Ein dritter Insider sagte, man wolle die Sendung nicht auf den Kopf stellen. Doch wer in den vergangenen Monaten auf die Entwicklung von 60 Minutes blickte, sieht bereits, wie schnell aus Personalwechseln und Eingriffen ein neues Machtgefüge werden kann. Die nächste Staffel wird zeigen, ob die Redaktion ihre Unabhängigkeit behauptet oder ob die Warnungen der Veteranen recht behalten.

