Lesen: Serbien: Wer über NIS entscheidet und warum der Deal stockt

Serbien: Wer über NIS entscheidet und warum der Deal stockt

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Die Verhandlungen über die Ölindustrie Serbiens, NIS, sind in eine Phase getreten, in der nach Einschätzung mehrerer Beteiligter nicht mehr nur in Belgrad entschieden wird. Der ungarische Konzern MOL will NIS kaufen, doch die Mehrheit liegt bei , und am Ende muss auch die amerikanische zustimmen.

Der Börsenmakler brachte die Lage am klarsten auf den Punkt: „Russians and Americans - that's my answer to the question of who are the main actors who will decide the fate of NIS“. sieht das ähnlich, setzt aber andere Akzente. Für ihn seien „die Russen und die Ungarn“ die wichtigsten Akteure, während „das letzte Amen“ von den Amerikanern komme. Damit ist die Grundlinie des Streits beschrieben: Wer verkauft, wer kauft und wer am Ende den Daumen hebt.

Die serbische Regierung bleibt dabei ein entscheidender Teil der Rechnung. Präsident sagte am Donnerstag, den 14. Mai, dass er sich bemühen werde, die Gespräche abzuschließen, falls man sich beim Thema Raffinerie einigt, und dass anschließend das Ministerium und die Regierung die endgültige Entscheidung treffen. Das klingt nach einem nationalen Verfahren, doch die eigentliche Macht liegt woanders: bei den Eigentümern, bei den Kaufinteressenten und bei Washington.

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Gujaničić hält die zuletzt stärkere Aktivität der serbischen Seite für eine Art mediale Offensive. Er sagte, diese neueste Aktivierung könne man als „media aggression“ verstehen, die zeigen solle, dass die Regierung in Belgrad plötzlich sehr besorgt darüber sei, was mit dem wichtigsten Unternehmen des Landes passiert. Nach seiner Darstellung läuft die Saga um den Verkauf von NIS bereits seit Januar 2025, ohne dass sich daraus bisher ein klarer Abschluss ergeben hätte.

Besonders heikel ist der Versuch Serbiens, seinen Anteil an der Eigentümerstruktur von 29 auf 34 Prozent zu erhöhen. Gujaničić sagte, nirgends in den gegenseitigen Vereinbarungen stehe, dass ein Drittel der serbischen Anteile etwas einbringe; das sei in den Papieren überhaupt nicht zu sehen. Zugleich würden die Ungarn das mit Unglauben aufnehmen, weil MOL dann wieder eine Mehrheit an dem Unternehmen bekäme, und das für weniger Geld. Das ist der eigentliche Streitpunkt hinter den höflichen Formeln: nicht nur wer NIS kontrolliert, sondern zu welchem Preis und mit welchem politischen Gewicht.

Hinzu kommt ein weiterer Konflikt über die Rolle des serbischen Staates selbst. Atanacković sagte, der Staat Serbien habe in diesem Jahr und darüber hinaus in vielen Fällen und über längere Zeiträume nicht einmal gewusst, was geschah. Diese Einschätzung passt zu einem Verfahren, das zugleich wirtschaftlich, politisch und geopolitisch ist. NIS ist damit kein gewöhnlicher Firmenverkauf, sondern eine Verhandlung, in der russische, ungarische, serbische und amerikanische Interessen aufeinanderprallen und jeder Schritt von den anderen abhängt.

Am Ende dürfte die Frage nicht sein, ob Belgrad den Prozess begleiten will. Entscheidend ist, ob sich Russen und Ungarn überhaupt auf eine Struktur einigen, die die Amerikaner bei OFAC akzeptieren. Erst dann wird klar, ob Serbien seinen Anteil auf 34 Prozent anheben kann, ob MOL zum Zug kommt oder ob die Gespräche weiter im Kreis laufen.

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