Als Udo Jürgens 1966 mit „Merci Chérie“ den Eurovision Song Contest gewann, wurde aus dem Lied die Grundlage seiner Weltkarriere. Heute erscheint eine neue Picture-Disc des Klassikers, und sein Sohn John Jürgens verbindet die Neuauflage mit Erinnerungen an den Mann hinter dem Song.
John Jürgens, der damals zwei Jahre alt war, sah seinen Vater in Luxemburg den Grand Prix d’Eurovision de la Chanson européenne gewinnen. „Papa war ein Sensibelchen“, sagte er rückblickend. Für ihn blieb der Moment nicht nur ein Fernsehbild, sondern ein Familienbild: Vielleicht sei es 1969 im Circus Krone in München gewesen, als er zu seinem Vater auf die Bühne gekrabbelt sei. „Ich habe ihn am Hosenbein gezupft und gefragt, wann wir heimgehen“, sagte er. „Er müsse noch ein bisserl arbeiten, meinte er.“
Dass das Lied später so eng mit der Karriere des Sängers verbunden blieb, überrascht rückblickend kaum. Vor dem Sieg hatte Udo Jürgens beim Wettbewerb bereits Platz vier und Platz sechs erreicht; erst im dritten Anlauf setzte er sich durch. Mit „Merci Chérie“ gelang ihm der Sprung, der ihn weit über den deutschsprachigen Raum hinaus bekannt machte. Genau deshalb wirkt die neue Veröffentlichung nicht wie bloßes Nostalgieprodukt, sondern wie eine erneute Verbeugung vor dem Song, der alles veränderte.
John Jürgens erinnert sich auch an die Entstehung des Stücks. Geschrieben wurde es im Hinterzimmer des Münchner Lokals Wiener Playboy Club, wo Udo Jürgens am Klavier saß, offenbar in einer Vodka-Tonic-Stimmung. Tommy Hörbiger habe das Wort „Merci“ vorgeschlagen, Udo Jürgens habe „Chérie“ ergänzt. „Sie haben es gemeinsam gewuppt“, sagte John Jürgens über den kreativen Prozess. Dass daraus ein Lied wurde, das Jahrzehnte später noch neu aufgelegt wird, erklärt den langen Atem dieser Geschichte besser als jede Feierrede.
Die neue luxuriöse Picture-Disc enthält neben einer Disco-Version von „Merci Chérie“ auch Udo Jürgens’ japanischsprachige Fassung des Songs. Für John Jürgens fügt sich damit auch ein späteres Kapitel seines eigenen Lebens ein: 1997 begann er im Lardy in Schwabing als DJ, für 150 Mark pro Abend. Der Sohn steht damit heute zugleich als Erinnerungsfigur und als Teil einer Musikgeschichte, die in München begann und mit dem Sieg in Luxemburg ihren entscheidenden Wendepunkt fand.
Der eigentliche Befund ist klar: „Merci Chérie“ bleibt nicht wegen der neuen Platte relevant, sondern weil das Lied den Karrieresprung von Udo Jürgens begründete und bis heute die Erzählung seiner Familie trägt.

