Lesen: John Jürgens erinnert an „Merci Chérie“ und den Eurovision-Durchbruch seines Vaters

John Jürgens erinnert an „Merci Chérie“ und den Eurovision-Durchbruch seines Vaters

Veröffentlicht
3 Min. Lesezeit
Anzeige

erinnert in München an den Abend, an dem aus einem Lied ein Familienmythos wurde. Am Freitagabend soll der Sohn von im am Rathausplatz auflegen, ausgerechnet zu einem Anlass, der ohne „Merci Chérie“ kaum denkbar wäre.

Der Titel, mit dem Udo Jürgens in Luxemburg den gewann, wurde nach Darstellung der Familie zur Grundlage seiner internationalen Karriere. Der Sieg kam nicht im ersten Anlauf: Es war sein dritter Versuch, nachdem er zuvor auf dem vierten und dem sechsten Platz gelandet war. John Jürgens sagt, sein Vater habe zuerst sogar nach jemand anderem gesucht, der das Lied singen könnte, aus Angst, sonst als ewiger Verlierer abgestempelt zu werden. „Papa war ein Sensibelchen“, sagte er. Ausgerechnet dieses Lied, das später zur Signatur wurde, entstand nach seiner Schilderung in einer ganz anderen Kulisse: im Hinterzimmer des Münchner „“, wo Udo Jürgens am Klavier saß, in Vodka-Tonic-Stimmung, und gemeinsam mit an dem Titel arbeitete. Hörbiger habe „Merci“ vorgeschlagen, Udo Jürgens „Chérie“ ergänzt, sagte John Jürgens und fasste es so zusammen: „Sie haben es gemeinsam gewuppt.“

John Jürgens verbindet die Erinnerung mit einer Szene, die die Familiengeschichte greifbar macht. „Es muss wohl 1969 im Zirkus Krone in München gewesen sein, als ich zu ihm auf die Bühne gekrabbelt bin. Ich habe ihn am Hosenbein gezupft und gefragt, wann wir heimgehen. Er müsse noch ein bisserl arbeiten, meinte er“, sagte er. Damals war er zwei Jahre alt gewesen, als er die Eurovision-Einlage seines Vaters in Luxemburg sah. Heute spricht er nicht nur als Sohn, sondern auch als DJ, der selbst seit Jahren hinter den Decks steht und die Musik seines Vaters aus einer anderen Perspektive kennt.

- Advertisement -

Der neue Bildtonträger „Merci Chérie“ greift diese Geschichte auf. Er enthält eine Disco-Version des Songs und zudem Udo Jürgens’ japanischsprachige Interpretation. Für John Jürgens ist das keine museale Rückschau, sondern ein Lied, das weiterlebt. Er sagt, es seien gerade die Vokale gewesen, die den Titel so wirksam machten: „Es ist wissenschaftlich erforscht, dass es die Vokale sind, die hier so attraktiv sind. I und E sind jene Selbstlaute, die aufmachen. Und die hat mein Vater, bewusst oder unbewusst, bevorzugt.“

Auch sein eigener Weg führte über Musik, allerdings auf anderen Bühnen. In Schwabing begann John Jürgens im als DJ. „Im Lardy in Schwabing bin ich in diese Geschichte hineingewachsen. Tapas und Soul war das Motto“, sagte er. „Das war 1997, da habe ich 150 Mark am Abend verdient und Soul und Acid Jazz aufgelegt.“ Später kamen kommerzielle Jobs hinzu. Für ihn sei das Repertoire mit der Zeit breiter geworden, sagte er, besonders für Feiern: „Die Eckpfeiler meines Repertoires waren jetzt Hits, denn bei Hochzeiten muss die Oma mit dem Enkel tanzen. Das geht mit Frank Sinatra und mit manch einer Udo-Jürgens-Nummer.“

Dass John Jürgens nun beim Eurovision-Kontext auflegt, schließt den Kreis auf einfache Weise: Der Sohn steht dort am Pult, wo der Vater einst mit einem Sieg begann, der eine Weltkarriere auslöste. Die Frage, ob „Merci Chérie“ nur Erinnerung ist, beantwortet sich damit selbst. Das Lied ist bis heute Teil dieser Familie, und am Freitag wird es in München noch einmal öffentlich hörbar werden.

Anzeige
Diesen Artikel teilen