SC Freiburg steht im Finale der Europa League, und Nils Petersen sagt offen, dass er damit nicht gerechnet hatte. Der frühere Freiburger Stürmer verfolgt den Weg seines Ex-Clubs genau und blickt jetzt auf den Endspurt mit dem Liga-Spiel gegen RB Leipzig am Samstag um 15.30 Uhr und das Finale gegen Aston Villa am 20. Mai in Istanbul.
Der 37-Jährige begleitete die Auslosung der Gruppenphase in einem Livestream und ordnete Freiburgs Gegner als „sportlich machbar“ ein. Zugleich fand er die Aufgabe weniger reizvoll als die von VfB Stuttgart. Dass Freiburg am Ende überhaupt so weit kommen würde, hatte Petersen nach eigener Einschätzung nicht erwartet. Für ihn ist die Entwicklung umso bemerkenswerter, weil Freiburg die erfolgreiche Europapokalsaison mit einem 2:1-Heimsieg gegen Basel eröffnet hatte.
Für Petersen ist dieser Weg auch persönlich aufgeladen. Neun Jahre lang spielte er für Freiburg, wurde 2016 mit dem Club in die Bundesliga zurückgeführt und war mit 105 Toren lange Rekordschütze des Vereins, bis Vincenzo Grifo ihn übertraf. Auch das Pokalfinale 2022 steckt ihm noch in den Knochen, als Freiburg im Elfmeterschießen mit 2:4 verlor. Dass der Club nun auf der großen europäischen Bühne steht, beschreibt er mit einem Satz, der viel über die Distanz und die Nähe zugleich sagt: „Es ist noch nicht greifbar, dass meine Jungs dabei sind.“
Die Halbfinalnacht gegen Braga hatte für Petersen einen Moment, der ihn zunächst schockierte: den Platzsturm nach dem Sieg im Rückspiel. Später nannte er das Ganze dann „sympathisch und nett“. Diese Mischung aus Überraschung und Sympathie passt zu dem Bild, das Freiburg in dieser Europa-League-Saison abgegeben hat: kein überladener Favorit, aber ein Team, das sich Schritt für Schritt durchgesetzt hat. Dass das erste Spiel der Kampagne gegen Basel ausgerechnet an der rund 70 Kilometer entfernten Grenze zur Schweiz begann, wirkt rückblickend fast wie ein passender Auftakt zu einer Route, die Freiburg weit über seine üblichen Grenzen hinausgeführt hat.
Vor dem Finale bleibt Freiburg aber noch ein Pflichttermin in der Bundesliga. Ein Sieg gegen RB Leipzig würde dem Club die europäische Qualifikation für die nächste Saison sichern. Petersen sagt, die Stimmung in der Mannschaft sei gut, und er wagt sogar eine konkrete Prognose für Istanbul: „Sieg im Elfmeterschießen“. Aston Villa reist als Tabellenvierter der Premier League an und liegt mit dem fünften Platz punktgleich mit Meister Liverpool. Für Freiburg ist das die nächste große Prüfung nach einer Europareise, die Petersen von Anfang an aufmerksam verfolgt hat und die nun an ihrem letzten, schwersten Abend angekommen ist.

