Robert Glatzel fehlte wegen Wadenproblemen, doch im Volksparkstadion bekam der HSV gegen den SC Freiburg auf dem 33. Spieltag einen anderen jungen Namen zu sehen: Otto Stange stand mit 19 Jahren erstmals in der Bundesliga in der Startelf. Vor 57.000 Zuschauern wirkte der Teenager in vielen Szenen so, als wolle er die seltene Chance sofort festhalten.
Der Eindruck war nicht nur optisch stark. Schon in der 14. Minute leitete Stange auf der linken Seite den Angriff ein, der Bakery Jatta zu dessen erstem Bundesligator für den HSV führte. Später hatte Stange selbst die große Möglichkeit, vergab aber in der 47. Minute, als Matthias Ginter seinen Abschluss verhinderte. Stange sagte danach über die Szene: „Den kann ich vielleicht reinmachen.“
Am Ende stand ein 3:2, und für Stange blieb nicht nur das Gefühl einer verpassten eigenen Premiere, sondern auch der Beleg, dass er in diesem Spiel längst mehr war als ein Platzhalter für den verletzten Glatzel. Der Angreifer war im Winter nach seiner Leihe von Elversberg zurückgekehrt und hatte bis zu seinem ersten Start vor allem als Joker gespielt. Dass er nun von Beginn an ran durfte, wertete Trainer Merlin Polzin als „der Lohn für gute Arbeit“.
Für Stange selbst war schon der Weg ins Stadion ein Ereignis. Er sprach von „Gänsehaut“ und sagte über die Atmosphäre: „Mit den Fans und so – das ist schon heftig.“ Zugleich machte er keinen Hehl daraus, wie sehr ihn die Rolle von der Bank belastet: „Man will nicht immer auf der Bank sein.“ Es klang wie die nüchterne Ansage eines Spielers, der mehr will als eine Kurzeinsatz-Routine.
Der Vergleich, den Stange dabei selbst zog, verweist auf den internen Maßstab, an dem er sich misst. Luka Vuskovic, der sechs Bundesligatore erzielt hat und als Vorbild gilt, dürfte nach der kommenden Saison wieder zu Tottenham zurückkehren. Stange sagte mit Blick auf den Teamkollegen: „Nächste Saison vielleicht mehr Tore schießen als er.“ Das war kein großer Spruch für die Kameras, sondern der Versuch eines 19-Jährigen, die eigene Richtung mit einem Ziel zu versehen.
Polzin stellte seinen Start als Zeichen dar, dass Entwicklung im Kader sichtbar belohnt werden kann. Für den HSV war der Nachmittag deshalb mehr als nur ein Heimsieg gegen Freiburg. Er zeigte, wie schnell sich ein Ausfall wie der von Glatzel in eine neue Gelegenheit für einen jungen Spieler verwandeln kann. Und er zeigte, dass Stange, der selbst sagte: „Ich bin schon zufrieden, aber es geht natürlich besser“, diesen Moment nicht als Endpunkt versteht.
