Verdi hat im laufenden Tarifstreit im Einzel- und Großhandel die ersten Warnstreiks ausgerufen. Am Freitag sollen Betriebe bundesweit bestreikt werden, auch Beschäftigte von Kaufland wollen sich beteiligen.
Für Montag ist die zweite Verhandlungsrunde für 240.000 Beschäftigte im Groß- und Einzelhandel angesetzt. Verdi fordert mindestens 250 Euro mehr pro Monat und 150 Euro mehr pro Ausbildungsjahr. Die Arbeitgeber hatten in Hamburg und Nordrhein-Westfalen ein Angebot vorgelegt: 2 Prozent mehr ab November und weitere 1,5 Prozent ab August 2027. Die Gewerkschaft lehnte das als unzureichend ab.
Der Konflikt trifft auf eine Branche, die aus Sicht der Gewerkschaft nicht unter Druck steht, sondern stabil dasteht. Verdi verweist auf den Einzelhandel in Hessen, der 2025 ein Umsatzplus von 5 Prozent verzeichnet habe, im Großhandel sogar 6,4 Prozent. Marcel Schäuble sagte dazu, die Menschen bräuchten eine spürbare Lohnerhöhung. Die Arbeitgeberseite spricht von schwierigen Spielräumen, Verdi dagegen von „vergifteten Angeboten“.
Die Tarifverhandlungen für den Einzel- und Großhandel laufen seit April in den ersten Bundesländern. Der aktuelle Arbeitskampf erinnert an die vorige Tarifrunde, die mehr als ein Jahr dauerte. Am Ende stand für den Zeitraum 2023 bis 2025 ein Gesamtplus von rund 14 Prozent. Genau deshalb setzt Verdi nun früh auf Druck: Die Gewerkschaft will zeigen, dass sie sich mit einem Abschluss unterhalb ihrer Forderungen nicht abspeisen lässt.
Hinter den Warnstreiks steht damit mehr als ein einzelner Streiktag. Es geht um die Frage, ob die Beschäftigten im Handel nach Jahren mit einem kräftigen Abschluss erneut mit einem Angebot vorliebnehmen sollen, das aus Sicht der Gewerkschaft kaum Schritt hält mit den Erwartungen der Beschäftigten.

