Eine neue HarrisX-Umfrage unter registrierten Wählern zeigt, dass 70 Prozent der Befragten finden, die Vereinigten Staaten hätten längst ein Krypto-Gesetz verabschieden sollen. 62 Prozent halten es für wichtig, dass Amerika die globalen Regeln für digitale Finanzmärkte setzt, und 60 Prozent bevorzugen klare Bundesgesetze statt einer Regulierung Fall für Fall.
Die Zahlen treffen auf einen Kongress, der bereits gehandelt hat: Das Repräsentantenhaus hat den CLARITY Act mit starker parteiübergreifender Unterstützung verabschiedet, während der Bankenausschuss des Senats den Entwurf nun überarbeitet. Für Befürworter klarer Regeln ist die Botschaft einfach: Die politische Nachfrage ist da, und sie ist nicht mehr auf eine Nische beschränkt.
Seit Jahren beschäftigen sich Gesetzgeber, Aufseher und Mitarbeiter in Washington mit digitalen Vermögenswerten und arbeiten sich durch Fragen des Verbraucherschutzes, der Marktintegrität, der Verwahrung, des Handels und der Offenlegung. Der Kern der Debatte hat sich dabei verschoben. Es geht nicht mehr nur darum, ob der Staat überhaupt reagieren muss, sondern darum, wer die dauerhaften Regeln setzen darf, wenn digitale Vermögenswerte nicht sauber in ältere Rechtsrahmen passen. Nach der Unterzeichnung des GENIUS Act sind Stablecoins schnell gewachsen und enger mit der alltäglichen Zahlungsinfrastruktur verbunden worden. Zugleich verlässt Tokenisierung zunehmend die Theorie und wird in institutionellen Tests erprobt.
Auch große Finanzfirmen prüfen blockchainbasierte Systeme für Abwicklung und andere Marktfunktionen, und öffentliche Blockchain-Netzwerke spielen dabei eine immer größere Rolle. PayPal hat PYUSD auf Solana ausgeweitet, um schnellere und günstigere Zahlungsanwendungen zu unterstützen. Visa hat Solana in seine Arbeit zur Stablecoin-Abwicklung einbezogen. SoFi führte SoFiUSD im Dezember ein. Diese Entwicklung macht den Streit um den CLARITY Act dringlicher, weil sich der Markt bereits weiterbewegt hat, während der Gesetzgeber noch an den Regeln arbeitet. Die offene Frage ist daher nicht, ob Washington reagieren muss, sondern ob der Kongress die dauerhaften Grenzen und Meldepflichten festlegt, bevor die bestehende Praxis die Regeln faktisch selbst schreibt.
