Michelle Gisin hat sich nach ihrem schweren Trainingssturz in St. Moritz im Dezember 2025 vorsichtig zurück auf den Schnee gearbeitet. Die 32-jährige Schweizer Skifahrerin sagte am Dienstagabend bei der Swiss Ski Night in Zürich-Oerlikon, es gehe ihr „immer besser“ und „langsam aber stetig vorwärts“. Das sei das Wichtigste, sagte sie.
Gisin hatte sich bei dem Sturz ein gerissenes Kreuzband, eine komplizierte Handgelenksverletzung und beinahe auch eine Verletzung des Rückenmarks zugezogen. Trotzdem stand sie vor wenigen Tagen in Engelberg wieder auf Ski und zog bereits ein paar Kurven. „Ich durfte schon ganz wenige Kurven machen und es war wunderschön“, sagte sie. Sie habe den letzten Skitag zuhause nicht verpassen wollen. Für sie sei das ein Schritt gewesen, der nicht nur den Körper, sondern auch den Kopf gestärkt habe.
Dass Gisin in Zürich-Oerlikon überhaupt wieder öffentlich über ihre Rückkehr sprechen konnte, ist ein bemerkenswerter Moment in einer Reha, die noch nicht abgeschlossen ist. Sie selbst macht keinen Hehl daraus, wie eng der Weg zurück bleibt. Radfahren sei wegen des Handgelenks, der Schulter und des Nackens sowie wegen der Angst vor dem Verkehr noch eine große Herausforderung, sagte sie. Deutlich besser komme sie dagegen schon mit Langlauf und mit Tourenski den Berg hinauf zurecht.
Gisin formuliert ihre Rolle klar: „Solange ich nichts anderes sage, bin ich aktive Skifahrerin. Mein großes Ziel ist es, auf den Schnee zurückzukommen.“ Der nächste Schritt soll im Sommer folgen. Im Juli oder August möchte sie mit dem Skiaufbau beginnen, zuvor verbringt sie viel Zeit im Kraftraum. Im Herbst will sie entscheiden, ob sie den Weg für die nächste Saison noch einmal versucht. Erst dann, so ihre Ansage, werde sich zeigen, ob der Comeback-Plan wirklich trägt.
Die frühe Rückkehr auf Ski ist dabei kein fertiges Comeback, sondern ein vorsichtiger Test nach einer Verletzung, die weit schwerer war als zunächst sichtbar. Gisin sagte, sie wolle im Sommer voll fit sein, bevor sie auf den Ski eine Entscheidung trifft. Das macht den Zeitplan eng und lässt wenig Raum für Euphorie. Gleichzeitig zeigt es, wie ernst sie die Rückkehr nimmt: nicht als Symbol, sondern als nächsten belastbaren Schritt.
Abseits der sportlichen Aufholjagd steht für Gisin diese Woche noch ein privater Termin an. Am Mittwoch reist sie nach Kroatien zur Hochzeit von Filip Zubcic. Sie ist mit Luca de Aliprandini verlobt; beide wollen im Sommer heiraten. Zu den Feierlichkeiten sagte sie, es freue sie sehr, doch für Ferien habe bisher keine Zeit gewesen. Vieles sei bereits vorbereitet, die Vorfreude riesig.
Für Gisin bleibt damit vorerst ein Doppelprogramm aus Reha und Neustart. Der Weg zurück in den Weltcup ist noch nicht beschlossen, aber er hat begonnen. Die ersten Kurven in Engelberg waren dafür mehr als nur ein medizinischer Test: Sie waren das erste sichtbare Zeichen, dass die Schweizerin ihren großen Winter nicht aufgibt.
