Der NDR sendet das Derby in Hamburg-Klein Flottbek von Donnerstag bis Samstag live, und der Auftakt bringt sofort die sportliche Dichte, für die diese Woche steht: Heute laufen das Championat und am Samstag die Qualifikation für den Grand Prix. Wer auf den ersten großen Schlag in der Springsportwoche wartet, bekam bereits am Mittwoch ein deutliches Signal.
Die erste Qualifikation für das Frühjahrsderby gewann Kristaps Neretnieks mit Quintair in 76,15 Sekunden. Zwölf Starter kamen den 550 Meter langen Parcours ohne Abwürfe oder Zeitfehler ins Ziel. André Thieme wurde mit Paule Siebter, und genau dieser Reiter ist einer der Namen, die das Feld in Hamburg besonders aufladen: Der viermalige Derby-Sieger könnte mit einem fünften Erfolg mit Fritz Thiedemann gleichziehen, der das Hamburger Derby fünfmal gewonnen hat. „Natürlich will ich so oft wie möglich gewinnen“, sagte Thieme mit Blick auf die Chance, die ihn auch in diesem Jahr antreibt. Auch Marvin Jüngel, Sieger von 2023 und 2024, reitet wieder mit.
Hamburg meldete für das klassische Derby mehr als 60 Nennungen. Turnierchef Matthias Rath sprach von einem Feld, das die Härte des Parcours erst richtig sichtbar mache: Das Derby gilt als der schwerste Kurs der Welt, und die Prüfung sei eine besondere, die nicht mehr jeder mit jedem Pferd reite. Das klassische Hamburger Derby gibt es seit 1920. Der Kurs führt über 17 Hindernisse auf 1.230 Metern, darunter die Derby-Wall und Pulvermanns Grab. An der Wall müssen die Pferde einen steilen Anstieg erklimmen und fast senkrecht wieder hinabgleiten, bevor sie das nächste Hindernis nehmen. Pulvermanns Grab verbindet zwei steile Sprünge mit einem Wassergraben.
Gerade diese Kombination aus Tradition und Risiko macht das Event seit Jahrzehnten einzigartig. Pulvermanns Grab wurde in den 1920er Jahren von dem Hamburger Kaufmann Eduard F. Pulvermann entworfen, der selbst begeisterter Springreiter war. Rath sagte zudem, die Pflicht zum Pferdewechsel in der Dressur sei abgeschafft worden. Das erhöht die Attraktivität des Programms für Reiterinnen und Reiter wie Isabell Werth und Ingrid Klimke, die in Hamburg ohne diesen Zwang antreten. Auch der 22 Jahre alte Moritz Treffinger ist am Start und brachte die Sache mit einem Satz auf den Punkt: „Hauptsache, wir sehen gut aus.“ Für Hamburg beginnt damit eine Derbywoche, in der die Favoriten schon vor dem Hauptspringen unter Druck stehen.
Am Ende bleibt die einfache Rechnung dieses Wochenendes: Wer in Hamburg gewinnen will, muss erst den schwersten Parcours der Welt überstehen. Genau deshalb lohnt sich das NDR-Liveprogramm bis Samstag auch für Zuschauer, die nur einen Namen verfolgen — denn in Klein Flottbek entscheidet sich schnell, wer den Kurs kontrolliert und wer an ihm scheitert.
