Menowin Fröhlich hat am Samstagabend das Zuschauer-Voting der RTL-Live-Show gewonnen. Der Sieg des 37-Jährigen, der vor 16 Jahren schon in der siebten DSDS-Staffel verloren hatte, löste prompt eine Welle von Kritik aus.
Mehrere Zuschauer schickten nach Angaben von t-online Beschwerdemails und warfen RTL vor, sich als Bühne für problematische Stars zu inszenieren. Einige verbanden die Debatte sogar mit früheren umstrittenen Entscheidungen des Senders und erinnerten an Gil Ofarim. Fröhlichs Name steht dabei nicht nur wegen des Comebacks in der Schlagzeile, sondern auch wegen seiner Vergangenheit, die in dem Zusammenhang mit gefährlicher Körperverletzung sowie Fahren ohne Führerschein unter Alkohol- und Drogeneinfluss beschrieben wurde.
Fröhlich selbst stellte sich nach dem Auftritt als Vater in den Vordergrund. Als er von der dpa gefragt wurde, ob es Absprachen mit RTL gegeben habe, bestritt er das. „Ich war da in erster Linie als Vater. Dass sich daraus so etwas entwickelt, war nicht geplant. Aber manchmal entstehen die wichtigsten Dinge im Leben genau dann, wenn man sie nicht kontrolliert“, sagte er.
Die Kritik blieb nicht abstrakt. Anett Kublik schrieb: „Was ist das bitte für ein Vorbild? Mehrere Male mit dem Gesetz in Konflikt geraten, im Gefängnis gesessen, ausreichend Drogenerfahrung gesammelt.“ Lothar Methfessel urteilte, „DSDS ist nur noch eine Witzveranstaltung, es ist doch offensichtlich, dass Herr Fröhlich von RTL beim Casting ausgesucht wurde.“ Karl-Heinz Schön ging noch weiter und schrieb: „Menowin Fröhlich hätte nicht als Sieger ernannt werden dürfen.“ Er ergänzte: „Das war von Anfang an inszeniert. Ich bin so enttäuscht von RTL.“
Auch an Dieter Bohlen richtete sich der Vorwurf, persönliche Nähe habe fachliche Bewertung überlagert. Thomas Galster schrieb: „Es ist unverständlich, weshalb Herr Bohlen trotz seiner langjährigen Erfahrung persönliche Sympathien über fachliche Kriterien stellt.“ Zugleich stellte er der Finalistin Constance Dizendorf „eine in jeder Hinsicht überlegene Leistung erbracht“ aus und monierte, „Die gesanglich schwächere Darbietung von Herrn Fröhlich wurde durch Herrn Bohlen unverhältnismäßig gelobt.“ Daraus leite sich, so Galster, „Dies lässt die Vermutung einer Inszenierung oder gar einer voreingenommenen Haltung gegenüber weiblichen Talenten aufkommen.“ RTL reagierte auf eine Presseanfrage zu den Vorwürfen nicht.
Der Streit zeigt, wie sehr Fröhlichs Rückkehr polarisiert. Einerseits steht da ein Zuschauer-Votum, das ihm den Sieg brachte. Andererseits steht ein Publikum, das den Ausgang nicht als überraschend, sondern als Ausdruck eines Senders liest, der umstrittene Figuren bewusst in den Mittelpunkt rückt. Dass sich die Debatte so schnell entzündete, liegt auch daran, dass Fröhlichs Comeback auf eine alte Geschichte trifft: seinen früheren DSDS-Niedergang, die Vorwürfe gegen seine Vergangenheit und den Eindruck, RTL nehme den Shitstorm billigend in Kauf.
