Die FIA hat Red Bull Powertrains als besten Verbrennungsmotor in der Formel 1 eingestuft und Mercedes sowie Ferrari Upgrade-Möglichkeiten für 2026 zugeteilt. Mercedes erhält eine Chance, Ferrari zwei. Für die Konkurrenz ist das mehr als eine Tabelle: Es verschiebt den Entwicklungsspielraum in einer Phase, in der Teams ihre Arbeit für die nächste Reglementära bereits schärfer abstecken.
Dass die Einstufung jetzt Aufmerksamkeit bekommt, liegt an ihrer direkten Wirkung auf das zusätzliche Entwicklungsfenster der Hersteller. Bewertet wurde nur die Leistung des Verbrennungsmotors, nicht der komplette Antrieb und auch nicht das Chassis. Genau dieser Ausschnitt entscheidet aber darüber, wer in den kommenden Monaten zusätzliche Möglichkeiten bekommt und wer nicht. Nach dem Kanada-Grand-Prix hat die FIA die Leistungsreihenfolge für das ADUO-System festgelegt, und damit ist aus einer technischen Messung plötzlich ein sportlicher Nachteil oder Vorteil geworden.
Die veröffentlichten Werte zeigen, warum Red Bull vorne liegt. Mercedes kam in den bisherigen Qualifyings inklusive Sprints im Schnitt auf 100,028 Prozent beziehungsweise 1:22,706 Minuten, McLaren-Mercedes auf 100,508 Prozent und 1:23,103, Ferrari auf 100,525 Prozent und 1:23,117, Red Bull auf 100,820 Prozent und 1:23,360. Nach den FIA-Metriken liegt Red Bull Powertrains damit auf Rang eins und bekommt keine Upgrade-Möglichkeit. Mercedes liegt mindestens zwei Prozent zurück und erhält eine 2026er Upgrade-Chance. Ferrari, Audi und Honda liegen mindestens vier Prozent hinten und bekommen jeweils zwei.
Rechnerisch ist der Abstand greifbar. Wäre Mercedes im Verbrennungsmotor vollständig aufgeholt, entspräche das einer Zeit von 1:22,45. Ferrari läge dann bei etwa 1:22,6, also rund eine halbe Sekunde schneller pro Runde auf einer durchschnittlichen Strecke, wenn das Defizit von mehr als 20 bhp verschwände. Bei Mercedes wären es etwas mehr als 10 bhp und ungefähr 0,25 Sekunden. Es sind Zahlen, die erklären, warum die Einstufung für die Reihenfolge der Hersteller so viel Gewicht hat.
Ganz ohne Vorbehalt ist das Bild aber nicht. Mehrere Hersteller könnten ihre Motoren vor dem Stichtag zurückhaltender betrieben haben, und das kann das Ergebnis der FIA verschoben haben. Die Messgrößen bleiben geheim, damit Teams das System nicht ausnutzen. Wenn Mercedes und Ferrari vor dem Kanada-Stichtag konservativ gefahren sind, könnte der Red-Bull-Motor nicht nur auf dem Papier, sondern auch unter realen Bedingungen der stärkste gewesen sein. Wenn nicht, wäre das Ranking eine Momentaufnahme mit eingebautem Spielraum.
Für Ferrari ist die nächste Bewegung bereits absehbar. Die Scuderia bereitet eine erste Power-Unit-Verbesserung rechtzeitig für den Großen Preis von Österreich vor und eine weitere später in der Saison. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der ADUO-Bewertung werden aber keine überarbeiteten Antriebe erwartet. Wie viel die Hersteller aus den zusätzlichen Entwicklungsfenstern tatsächlich herausholen, wird sich deshalb nicht in der Tabelle zeigen, sondern erst dann, wenn die neue Leistung auf der Strecke ankommt.

