Rund 1.400 Beschäftigte von Lenzing haben am Donnerstag ab 8.00 Uhr die Arbeit niedergelegt und damit vor der achten Runde der Kollektivvertragsverhandlungen in der chemischen Industrie den Druck erhöht. Die Warnstreiks trafen den Standort Lenzing mitten dort, wo die Gespräche gerade weiterliefen.
Für Lisa Wageneder ist die Auseinandersetzung nicht abstrakt. Sie sagte, sie sei Mutter von zwei Kindern, ihre Tochter besuche ein Internat und die Ausbildung koste viel Geld. Wenn dann die Lebenshaltungskosten weiter steigen und kein angemessener Ausgleich komme, sei das schwer zu akzeptieren. Genau deshalb suchten viele Beschäftigte an diesem Donnerstag die sichtbare Konfrontation: Die Kundgebung in der Kantine des Werks war Teil einer Aktion, die sich nicht mit einem stillen Protest begnügte.
Betroffen waren drei Produktionslinien. Sie waren nach einer längeren Reparatur erst für den Wiederanlauf vorgesehen und sollten mit Beginn der Spätschicht wieder hochgefahren werden. Nach Angaben der Gewerkschaft GPA arbeiten in den betroffenen Bereichen rund 3.000 Beschäftigte, die ein Lohn- und Gehaltsplus von 3 Prozent verlangen.
Der Konflikt hat sich in dieser Woche weiter verschärft. GPA-Oberösterreich-Chef Wolfgang Gerstmayer sagte, in Oberösterreich habe es fast 20 befristete Streiks gegeben. Er bezeichnete das Angebot der Arbeitgeberseite mit 0,5 Prozent und einer Einmalzahlung von 300 Euro als Frotzelei. Lenzing wiederum erklärte, man verfolge die Entwicklung in den Verhandlungen aufmerksam, respektiere gewerkschaftliche Maßnahmen und den sozialpartnerschaftlichen Dialog und rufe zu einer konstruktiven Einigung auf.
Damit bleibt nach dem Donnerstag vor allem eine Frage offen, die über den Warnstreik hinausreicht: Ob die achte Runde der Gespräche auf dem Weg zu einem Abschluss führte, wurde nicht bekannt. Sicher ist nur, dass beide Seiten nun unter deutlich größerem Druck weiterverhandeln müssen.

