Wien bekommt zur Fußball-WM 2026 weniger Public Viewing als bei früheren Turnieren. Der Grund sind vor allem die nächtlichen Anstoßzeiten, die viele der vertrauten Fan-Zusammenkünfte unmöglich machen und in mehreren Lokalen schlicht mit der Sperrstunde kollidieren.
Dass diese WM schon vor dem ersten Anpfiff anders läuft, ist kein Zufall. Diese Woche startet das Turnier in den USA, und in Wien richtet sich der Blick deshalb auf Spiele, die für hiesige Besucher erst mitten in der Nacht oder kurz vor dem Frühstück beginnen. Viele Veranstalter denken nicht mehr in Bierbänken und Abendspielen, sondern in Kaffee, Semmeln und einem frühen Dienstbeginn.
Ein Blick auf die bekannten Adressen zeigt, wie sehr sich das Angebot verschiebt: Veranstaltungen am Rathausplatz oder in der Strandbar Herrmann finden diesmal nicht statt. Stattdessen tragen Gastronomiebetriebe ihre Angebote in eine Online-Übersicht der Wirtschaftskammer ein, und laut der Kammer wollen etwa 40 Prozent der Wirte zumindest einige Spiele zeigen. Thomas Peschta bringt das nüchtern auf den Punkt: Bei vielen Spielen müssten die Lokale geschlossen sein, einfach wegen der Sperrstunden-Regelungen.
Trotz des kleineren Angebots bleibt Wien an mehreren Punkten sichtbar. Die Champions Sports Bar im 1. Bezirk zeigt alle WM-Spiele, das Kent in der Brunnengasse ebenfalls. Im Freiherz und im Salettl am Campus läuft Public Viewing vom 11. Juni bis 19. Juli, und auch viele Abendspiele sollen dort sowie im Freiherz gezeigt werden. Das offizielle ORF-Public-Viewing findet im Francis am Franz-Josefs-Bahnhof statt, wo ausgewählte Spiele laufen sollen; im 12. Bezirk plant der Gleis/Garten, alle Spiele zu zeigen, die vor 23.00 Uhr starten, während das StattBeisl im WUK ausgewählte Partien zeigt. Die Sportsbar Charlie P's will jedenfalls die gesamte KO-Phase übertragen.
Am stärksten verändern die frühen Anstoßzeiten aber die ersten Spiele der Österreicher. Zum Auftakt am 17. Juni, wenn Österreichs erstes WM-Spiel um 06.00 Uhr beginnt, planen viele Wirte Frühstücksaktionen. Beim Radio-Wien-Public-Viewing im Salettl am Campus soll es ebenso Frühstück geben wie bei Ulrich und Erich am Spittelberg und im Café Sperl. Das möglicherweise entscheidende Gruppenspiel gegen Algerien ist für den 28. Juni um 04.00 Uhr früh angesetzt; gezeigt werden soll es unter anderem im Stadtboden in der Krugerstraße, im Café Konstantin und in der Prater Alm.
Gerade an diesem Punkt zeigt sich die Grenze des Wiener Angebots. Es gibt genügend Betriebe, die mitgehen wollen, und doch reicht das Zeitfenster oft nicht für große Nachtveranstaltungen. Das bedeutet: Wien wird die WM 2026 nicht mit der gewohnten Fan-Masse erleben, sondern mit einem kleineren, stärker auf Frühspiele zugeschnittenen Programm. Wer wissen will, wo am Ende wirklich übertragen wird, wird erst in den Wochen vor dem Turnier eine vollständige Antwort bekommen.
