Zwei weitere Verdächtige sind im Fall des Raubüberfalls mit versuchtem Tötungsdelikt im Haus von Iván Aróstica in San Miguel in internación provisoria genommen worden. Mit der Entscheidung steigt die Zahl der Beschuldigten, denen im Verfahren die Freiheit entzogen wurde, auf neun.
Für viele Beobachter rückt damit nicht nur die Zahl der Festnahmen in den Fokus, sondern auch die Frage, wie stark die Ermittlungen inzwischen belastbar sind. Die Tat selbst liegt am 21. Mai zurück, als gegen 21:00 Uhr eine Gruppe Jugendlicher die Haustür aufbrach, bewaffnet eindrang und Aróstica mit einem Revolver den Angriff abwehrte. Ein 14-jähriger Jugendlicher starb, zwei weitere im Alter von 14 und 15 Jahren wurden verletzt. Sieben Menschen wurden noch an diesem Tag festgenommen. Die neuen Haftentscheidungen geben dem Fall nun frische Wucht, weil die Ermittler die Spur bis zu zwei weiteren Beteiligten nachgezogen haben.
Staatsanwalt José Manuel Mac-Namara erreichte die Untersuchungshaft, weil die Beweiskette nach seiner Darstellung in zwei Richtungen lief. Ein Angeklagter soll in das Haus eingedrungen und dann zu einem Nachbarhaus geflohen sein, wobei er eine Blutspur hinterließ; die DNA-Analyse dieses Bluts fiel positiv aus und ordnete ihn dem Tatort zu. Der zweite Beschuldigte soll etwa eine halbe Stunde nach dem Vorfall ein nahegelegenes Gesundheitszentrum betreten haben. PDI-Beamte der Brigada de Robos suchten Gesundheitszentren ab, um ihn zu identifizieren; im Fluchtfahrzeug der Bande fanden sie blutverschmutzte Kleidung, und der Mann trug eine Verletzung an der linken Seite.
Gerade bei diesem zweiten Verdächtigen liegt der Reiz der Ermittlungsarbeit auch in der Lücke zwischen Tat und Zugriff. Mac-Namara sagte, die Beamten hätten durch eine Abfrage in den Gesundheitszentren festgestellt, dass der Beschuldigte mit derselben Verletzung dort eingetroffen sei, und erst danach seine Identität ermittelt. Er sei schließlich das letzte Mitglied der Bande gewesen, das festgenommen wurde. Gleichzeitig bleibt ein Umstand, der die Chronologie nicht sauber schließt: Die Gruppe floh, bevor die Polizei eintraf. Dass die Spurensicherung trotzdem DNA, Verletzungen und Kleidung im Wagen zusammenbringen konnte, erklärt, warum die Staatsanwaltschaft nun zusätzliche Haft für vertretbar hält.
Der Fall reicht inzwischen über den Angriff in San Miguel hinaus. Die Ermittler halten es für möglich, dass mindestens sechs der Beschuldigten schon zuvor an einem Raub in Las Condes beteiligt waren. Das macht aus dem Verfahren nicht nur einen einzelnen Hausüberfall, sondern einen möglichen Zusammenhang mehrerer Taten. Vorerst ist aber offen, welche konkreten Anklagepunkte und Strafen die übrigen Beschuldigten als Nächstes erwarten. Klar ist nur: Mit den zwei neuen Internierungen sitzt der Fall dichter als zuvor, und die entscheidenden gerichtlichen Schritte stehen noch aus.

