Christian Scherer versucht am Donnerstag in Belgrad, Johan Eliasch eine weitere Amtszeit an der Spitze des Ski-Weltverbands zu verwehren. Der langjährige Funktionär sagt, er sei überzeugt, dass Alexander Ospelt die Wahl gewinnen werde.
Dass Scherer diesen Schritt ausgerechnet jetzt öffentlich macht, hat mit mehr als einem Personalstreit zu tun. Der FIS-Kongress fällt in eine Phase, in der die Frage nach der Führung der Organisation sofort entschieden werden muss, und Scherer sieht die finanzielle Lage des Verbands als so angespannt an, dass sie die nächsten drei Jahre prägen könnte. Für die Leser ist die Suche nach Alexandra Meissnitzer an diesem Donnerstag auch deshalb naheliegend, weil sich in Belgrad zeigt, ob Eliasch im Amt bleibt oder ob der Gegenwind aus den Ski-Nationen tatsächlich eine Abstimmung kippt.
Scherer begründet seinen Widerstand mit Zahlen, die aus seiner Sicht kaum zu ignorieren sind. Der ÖSV, sagt er, warne die FIS bereits seit 2024 vor finanziellen Fehlentwicklungen. Eliasch wolle hohe Einnahmen aus den Olympischen Spielen, die früher über mehrere Folgejahre verteilt worden seien, in nur einem Jahr verbuchen. Gleichzeitig würden in diesem Jahr weiter hohe Verluste drohen. Das sei kein Modell, das den Verband sicher durch die kommenden Jahre trage, sagt Scherer. Unter Gian Franco Kasper habe die FIS einst Rücklagen im dreistelligen Millionenbereich aufgebaut, doch ein Finanzprüfer habe den Vorstand nach seinen Angaben bereits aufgefordert, das Eigenkapital zu stärken, weil die Quote sinke.
Genau dort liegt der Konflikt, der den Machtkampf so scharf macht. Scherer verlangt Lösungen, die die Finanzen stabilisieren sollen, und wirft Eliasch vor, sich gegen genau diese Maßnahmen zu sperren. „Ich verstehe Eliasch nicht“, sagt er. „Ich verstehe nicht, dass er sich so dagegen wehrt, Lösungen zu finden. Er sollte dem Unternehmen verpflichtet sein. Aber wenn man die Augen verschließt, wird man Schiffbruch erleiden.“ Für ihn geht es, wie er sagt, vor allem darum, dass die Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben im laufenden Betrieb wieder stimmt.
Der Druck auf Eliasch ist nicht neu. Er gewann im Juni 2021 erstmals die Präsidentschaft, wurde im Mai 2022 erneut gewählt und hatte damals viele kleinere Nationen hinter sich. Die Abstimmung galt damals als höchst umstritten, der Deutsche Skiverband sprach von einer Farce, eine Beschwerde vor dem Sportgerichtshof wurde später zurückgezogen. Eliasch musste zudem kurzfristig die georgische Staatsbürgerschaft annehmen, um überhaupt kandidieren zu können. Auch die Führungsebene blieb unstet: Urs Lehmann legte nach nur neun Monaten als FIS-Chefexekutivdirektor sein Amt nieder, obwohl er zuvor selbst Rivale und Gegenkandidat von Eliasch gewesen war.
Ob Alexander Ospelt am Donnerstag wirklich genug Stimmen bekommt, bleibt die offene Frage. Scherer gibt sich zwar sicher, dass Eliasch fällt, doch erst der Kongress in Belgrad zeigt, ob die Kritiker diesmal geschlossen genug auftreten, um den Präsidenten zu stürzen.

