Der ORF hat Pius Strobl mit sofortiger Wirkung vom Dienst freigestellt. Auslöser sind zahlreiche Hinweise und Meldungen, die in den vergangenen Wochen bei der ORF-Compliance-Stelle zu einem möglichen Fehlverhalten des Managers eingegangen sind.
Warum der Name Strobl gerade jetzt so im Fokus steht, liegt auch an seiner Stellung im Haus. Er leitet mehrere Hauptabteilungen beim ORF und war laut Transparenzbericht 2025 mit 469.000 Euro brutto im Jahr der bestbezahlte Manager des Senders. Die Freistellung trifft damit einen der wichtigsten Funktionsträger des Hauses, dessen aktueller Vertrag noch bis Ende 2026 läuft.
ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher ordnete die Freistellung an. Der Sender erklärte, die Maßnahme solle eine unvoreingenommene und unbeeinflusste Prüfung durch die Compliance-Stelle sicherstellen; sie sei ausdrücklich keine Vorverurteilung. Dass der Schritt erst nach mehreren Meldungen aus den vergangenen Wochen kommt, macht ihn für den ORF heikel: Der Sender reagiert auf Verdachtsmomente gegen eine Topfigur, ohne bisher offenzulegen, worum es inhaltlich genau geht.
Strobl ist dem ORF seit Jahren eng verbunden. Alexander Wrabetz holte ihn ins Haus, zunächst als Kommunikationschef. Später leitete Strobl den Eurovision Song Contest 2015 in Wien und das 300-Millionen-Euro-Projekt rund um das ORF-Zentrum, das er nach Darstellung Wrabetz’ im Budget- und Zeitplan abschloss. Auch sein Abschied war schon früher Thema: 2021 wollte Strobl nach Wrabetz’ Worten in Pension gehen, blieb aber wegen des Großprojekts im Dienst.
Die aktuelle Freistellung fällt zudem in eine Phase, in der der ORF ohnehin unter Druck steht. Im März erhob eine Mitarbeiterin aus Strobls Bereich Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den damaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann; Weißmann kam der Forderung nach und trat am 8. März zurück, später wurde er vom ORF abberufen und zieht vor das Arbeits- und Sozialgericht. Auch die Frage einer Pensionszusage beschäftigt inzwischen die Justiz, nachdem ein Bericht an die Oberstaatsanwaltschaft gegangen ist.
Für Strobl bedeutet das vorerst: Er ist aus dem Tagesgeschäft genommen, während die Compliance-Stelle weiter prüft. Welche konkreten Vorwürfe hinter den Meldungen stehen, hat der ORF bislang nicht öffentlich gemacht. Genau dort liegt jetzt der entscheidende Punkt: Nicht die Freistellung selbst wird die Geschichte tragen, sondern das Ergebnis der internen Untersuchung.

