Der IPC in Chile stieg im Mai um 0,2% und brachte die Inflation seit Jahresbeginn auf 2,8% sowie auf 3,9% in den vergangenen zwölf Monaten. Das Instituto Nacional de Estadísticas veröffentlichte den Wert am heutigen Tag und setzte damit einen frischen Maßstab für Verbraucher, die seit Wochen auf Hinweise warten, ob sich der Preisdruck im Alltag weiter abschwächt.
Die Zahl wirkt klein, ist aber für Haushalte alles andere als nebensächlich. Sie zeigt, dass sich die Teuerung zwar verlangsamt hat, nachdem der IPC im März um 1,0% und im April um 1,3% gestiegen war, die Preisbewegung aber nicht verschwunden ist. Gerade jetzt steht die Frage im Raum, ob der jüngste Schub bei den Kraftstoffpreisen weitere Güter und Dienstleistungen nach oben zieht oder ob sich der Effekt wie im Mai bereits wieder verliert.
Der Monatsanstieg verteilt sich sehr ungleich über den Warenkorb. Unter den 13 Divisionen des IPC verzeichneten neun positive und vier negative Beiträge. Wohnen und grundlegende Dienstleistungen stiegen um 0,7% und trugen 0,123 Prozentpunkte bei, der Transport legte um 0,6% zu und steuerte 0,083 Punkte bei. Hinzu kamen weitere positive Impulse von zusammen 0,156 Punkten. Auf der Gegenseite fiel Lebensmittel und alkoholfreie Getränke um 0,8% und zog den Index um 0,178 Punkte nach unten.
Auch bei einzelnen Produkten ist das Bild scharf geteilt. Rindfleisch verteuerte sich um 2,7%, Speisen in Restaurants, Cafés und ähnlichen Lokalen um 1,0%, internationales Flugreisen um 10,00% und Flüssiggas um 3,2%. Gleichzeitig wurde es bei Brot um 4,0% günstiger, und Fahrten mit dem Überlandbus sanken um 9,1%. Genau diese Mischung macht den Mai-Wert so aufschlussreich: Die Inflation kühlt im Schnitt ab, aber einige Positionen ziehen noch immer kräftig an, während andere deutlich nachgeben.
Für den Moment spricht vieles dafür, dass die Preisentwicklung in Chile nicht auf einem glatten Kurs verläuft, sondern in einzelnen Bereichen weiterhin auf den vergangenen Schub reagiert. Ob sich das im nächsten IPC-Bericht fortsetzt, wird zeigen, ob der jüngste Preisdruck breit genug war, um über Mai hinaus Wirkung zu entfalten, oder ob er vor allem ein kurzer Stoß geblieben ist.

