Alexander Zverev steht am Sonntag im French-Open-Finale in Paris und trifft dort um 15.00 Uhr auf Flavio Cobolli. Für den 29 Jahre alten Weltranglistendritten ist es die nächste Chance, nach jahrelangem Warten endlich seinen ersten Grand-Slam-Titel zu holen.
Die Ausgangslage ist klar: Zverev geht als Favorit in ein Finale, das nach dem Aus von Jannik Sinner und dem Fehlen des verletzten Titelverteidigers Carlos Alcaraz noch mehr Gewicht bekommen hat. Der Deutsche gewann am Freitag sein Halbfinale gegen Jakub Mensik in vier Sätzen, Cobolli zog als überraschender Finalist weiter, ohne selbst spielen zu müssen, weil Matteo Arnaldi krank zurückgezogen hatte.
Gerade deshalb richtet sich der Blick jetzt auf Zverevs Bilanz in den größten Momenten des Tennis. Er hat bereits drei Grand-Slam-Finals erreicht und alle verloren: 2020 gegen Dominic Thiem bei den US Open um zwei Punkte, 2024 in fünf Sätzen gegen Alcaraz in Paris und Anfang 2025 gegen Sinner bei den Australian Open. Vor dem Finaltag in Roland Garros ist das die Last, die an ihm hängt, so sehr ihn seine Rangliste und seine Form auf dem Papier nach vorne stellen.
Hinzu kommt, dass Cobolli kein bequemer Gegner ist. Die beiden trafen 2025 schon zweimal auf Sand aufeinander: In München gewann der Italiener im Halbfinale in zwei Sätzen, in Madrid setzte sich Zverev im Viertelfinale ebenfalls glatt durch. Seit Ende Februar hat der Deutsche sechs Partien verloren, und alle sechs Niederlagen kassierte er gegen italienische Spieler. Boris Becker brachte die Lage nüchtern auf den Punkt, als er sagte, nach Sinners Niederlage rede jeder davon, dass Zverev nun der Favorit sei, und dass der Druck dennoch bei ihm liege.
Für den Deutschen geht es in Paris um mehr als nur einen weiteren Titel. Gewinnt er, wäre er der erste deutsche Herrenspieler, der im Profizeitalter seit 1968 die French Open gewinnt; ein deutscher Grand-Slam-Triumph bei den Männern liegt 30 Jahre zurück, seit Boris Becker die Australian Open gewann. Zverev hat Olympia-Gold von 2021 schon in seiner Sammlung. Was ihm noch fehlt, ist der Sieg in einem Finale, das sich nicht mehr wegschieben lässt.
Er selbst klingt dabei weniger nach Ansage als nach Selbstschutz. Er wolle sich von Match zu Match konzentrieren, sagte Zverev, nur auf den Gegner vor ihm und auf nichts anderes. Am Sonntag steht ihm in Paris genau dieser Gegner gegenüber.

