Die brasilianische Bundesstaatsanwaltschaft hat den chilenischen Geschäftsführer Germán Naranjo Maldini wegen fünf Straftaten angeklagt, nachdem ein Vorfall auf einem LATAM-Airlines-Flug von Frankfurt nach Santiago mit Zwischenstopp in São Paulo eskaliert war. Der 51-Jährige sitzt weiter in Untersuchungshaft und drohen im Fall einer Verurteilung bis zu 14 Jahre Gefängnis und eine hohe Geldstrafe.
Gerade deshalb wird der Fall jetzt unter chile brasil gesucht: Aus einem Bordstreit ist ein formelles Strafverfahren geworden. Für brasilianische Ermittler ist das kein einfacher Ordnungsverstoß mehr, sondern ein Paket aus Vorwürfen, das von der Gefährdung der Luftsicherheit bis zu rassistischen Beleidigungen gegen Flugbegleiter reicht. Hinzu kommen Drohungen gegen Polizisten, Missachtung und Widerstand gegen die Staatsgewalt.
Ein Crewmitglied von LATAM, das die Auseinandersetzung miterlebte, sagte, er arbeite seit 20 Jahren in der Luftfahrt und habe nie eine solche Situation erlebt. Der Mitarbeiter berichtete, der Streit habe länger als eine Stunde gedauert und Naranjo Maldini habe ihm die Schulter zweimal gestoßen sowie erklärt, er werde die Tür öffnen, wann immer er wolle. Er sagte auch, er habe Homophobie, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit erlebt.
Der Vorfall vom 10. Mai endete für Naranjo Maldini am Flughafen Guarulhos in São Paulo mit einer Festnahme durch die Bundespolizei. Später legte die Staatsanwaltschaft die fünf Vorwürfe vor, nachdem Videos und Aussagen aus der Kabine den Verlauf der Auseinandersetzung dokumentiert hatten. Die Ermittler stützen sich damit auf einen Fall, der sich in Echtzeit vor Besatzung und Passagieren abgespielt haben soll.
Der Bruch zwischen öffentlicher Reue und strafrechtlicher Härte ist der Kern des Verfahrens. Naranjo Maldini hat sich in einem Brief bei dem betroffenen Mitarbeiter entschuldigt und eingeräumt, sein Geist sei in einem veränderten Zustand gewesen; zugleich entschuldigte er sich persönlich und sagte, der Mann sei vermutlich zu wütend, um ihm zu vergeben. Trotzdem bleibt die Anklage bestehen, und die brasilianische Justiz behandelt die Sache als fünf separate Delikte mit erheblichem Strafmaß.
Der Fall ist auch deshalb komplex, weil er nicht nur Brasilien betrifft. In Santiago befasst sich ein Gericht mit einer gesonderten Beschwerde gegen Naranjo Maldini wegen mutmaßlicher Bestechung eines Beamten im Februar 2025, als er laut den vorliegenden Angaben mit seiner Frau im Zivilregisteramt von Lo Barnechea den Pass seines Sohnes abholen wollte. Der 4.° Juzgado de Garantía de Santiago führt dieses Verfahren, während der chilenische Manager nach dem LATAM-Vorfall in Brasilien weiter in Präventivhaft bleibt. Zuvor wurde er zudem aus dem Unternehmen entlassen, in dem er als kaufmännischer Leiter gearbeitet hatte.
Für Naranjo Maldini wird nun vor allem entscheidend sein, welche Beweise die brasilianischen Richter als belastbar ansehen und wie sie seine eigenen Angaben werten. Die nächstgrößere Frage ist deshalb nicht mehr, ob es eine Anklage gibt — sondern ob aus der Kombination von Kabinenaufnahmen, Zeugenaussagen und seiner Entschuldigung am Ende eine Verurteilung mit mehrjähriger Haft wird.

