FIFA hat am Freitag ihre harte Linie bei Wasserflaschen für WM-Stadien wieder zurückgenommen und Fans in den USA und Kanada erlaubt, eine versiegelte Plastikflasche mitzubringen. Die Kehrtwende kam nach nur wenigen Tagen öffentlicher Kritik und beendete ein Verbot, das viele Zuschauer beim Einlass direkt getroffen hätte.
Warum das so schnell wichtig wurde, zeigte sich in New York. Zohran Mamdani sagte am Freitagmorgen, er sei über die Änderung „concerned“ und wolle bei FIFA „follow up“; später begrüßte er den Rückzieher und sagte, niemand solle Angst haben, wegen Trinkwasser „priced out“ zu werden, besonders Fans, die oft stundenlang vor einem Spiel in extremer Hitze warten. Genau für diese Menschen ist die Frage keine Nebensache. Wer bei einem Sommerturnier lange vor dem Stadion steht, denkt nicht an Ordnungsvorschriften, sondern an Wasser.
FIFA präzisierte am Freitag um 6.18 Uhr ET per Video in den sozialen Medien, dass Fans in jedem WM-Spiel in den USA oder Kanada nun eine einzelne weiche, aus Plastik bestehende, fabrikversiegelte 20-Unzen-Flasche mit 590 Millilitern mitbringen dürfen. Das ist ein klarer Bruch mit der Regel, die erst am 2. Juni in den Stadionvorgaben auftauchte. Damals strich FIFA die frühere Erlaubnis für leere, durchsichtige Plastikflaschen bis zu 1 Liter, die Besucher an Trinkbrunnen hätten auffüllen können, und erklärte stattdessen, wiederverwendbare Flaschen dürften nicht ins Stadion.
Der Verband hatte den Bann zunächst als Sicherheitsfrage verkauft. Auf Nachfrage am Donnerstagabend sagte FIFA, die Maßnahme diene der Sicherheit und dem Schutz der Zuschauer und Spieler und bringe die Regeln in Einklang mit üblichen Stadionvorgaben; 10 der 16 WM-Stadien erlaubten gewöhnlich ohnehin leere Flaschen. Doch intern hatten Mitglieder der Sicherheits- und Schutzteams Bedenken gegen das Verbot, und eine FIFA-nahe Quelle sagte, kommerzielle Erwägungen hätten die Wende wahrscheinlich stark beeinflusst. Dazu passt auch die neue Praxis in den Stadien: FIFA sagte, unter dem Verbot hätten Fans nur Softdrinks an den Verkaufsständen kaufen können, während der Getränkepartner Coca-Cola seine Limonaden und Dasani-Wasser verkaufen werde.
Die Reaktion fiel entsprechend scharf aus. Politiker, Fan-Gruppen, Gesundheitsexperten und Medien griffen das Verbot an; Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow nannte es einen „pure money grab“, und der britische Premierminister Keir Starmer sagte, die Entscheidung sei „wrong“ und gehe „about making money“. Am Freitag war die Stimmung dann eine andere: FIFA erlaubte die Flaschen wieder, aber nicht überall. Für Stadien in Mexiko gilt die neue Regel bisher nicht, und FIFA nannte weder Mexiko-Stadt noch Monterrey oder Guadalajara. Für Toronto, das sechs WM-Spiele ausrichten wird, ist die Sache damit erst halb erledigt. Die zentrale Frage ist nun nicht mehr, ob Fans in den USA und Kanada Wasser mitnehmen dürfen. Sie lautet, warum FIFA ausgerechnet dort umgeschwenkt ist, in Mexiko aber noch nicht.

