Lennart Karl hat sich im Training der deutschen Nationalmannschaft verletzt und wurde für Scans ins Krankenhaus gebracht. Julian Nagelsmann sagte danach unmissverständlich, es sehe nicht gut aus, und der Bundestrainer muss nun abwarten, ob der Spieler bis zur Weltmeisterschaft rechtzeitig fit wird oder ob noch ein Ersatz nachrücken muss.
Genau deshalb wird Karls Name jetzt so genau verfolgt: Die Verletzung passiert mitten in der WM-Vorbereitung, also in dem Moment, in dem jeder Ausfall sofort Folgen für den Kader haben kann. Wer zuletzt auch die Meldung über die persönliche Einladung von Nagelsmann für Karls WM-Pläne gelesen hat, weiß, wie nah der junge Spieler inzwischen an dieser Mannschaft dran war. Jetzt hängt alles an der Diagnose.
Nagelsmann formulierte die Lage nach der Einheit ohne Beschönigung. Karl habe sich heute verletzt, sei ins Krankenhaus gegangen und werde dort untersucht, sagte er sinngemäß. Danach müsse man sehen, ob der Spieler bei der Weltmeisterschaft eingesetzt werden könne oder ob die Mannschaft eine Nachnominierung brauche. Für den DFB ist das nicht nur eine medizinische Frage, sondern eine Frage der Planung im engsten Zeitfenster vor dem Turnier.
Der Kontrast dazu kam im gleichen Atemzug: Manuel Neuer mache Fortschritte und sei auf dem Weg zur vollständigen Fitness, sagte Nagelsmann. Auf das Spiel am nächsten Tag wolle man trotzdem kein Risiko eingehen, der Torhüter solle aber zum ersten Gruppenspiel wieder komplett belastbar sein. Während bei Neuer die Linie klar nach oben zeigt, bleibt bei Karl erst einmal offen, wie schwer die Verletzung tatsächlich ist.
Diese Offenheit macht den Fall so heikel. Eine Trainingsverletzung wäre schon ärgerlich genug, kurz vor einer Weltmeisterschaft wird sie sofort zur Kaderfrage. Wenn die Scans nur eine leichte Blessur zeigen, könnte Karl im Rennen bleiben. Wenn die Untersuchung etwas Ernsteres ergibt, muss Nagelsmann reagieren und womöglich einen Platz im Aufgebot neu vergeben. Genau auf diese Antwort wartet der Verband jetzt.
Für Karl beginnt damit ein Tag des Wartens, nicht des Handelns. Erst die Bilder aus dem Krankenhaus werden zeigen, ob der verletzte Spieler nur kurz ausgebremst ist oder ob sich für ihn und für Deutschland die WM-Pläne noch einmal verschieben.

