Alexander Zverev steht in Paris vor seinem elften Grand-Slam-Halbfinale, und der Weg dorthin hat sich in wenigen Tagen dramatisch verändert. Der 28-Jährige spielt am Freitag auf den Sandplätzen von Roland Garros gegen einen der unbeschwerten Neulinge, nachdem Jannik Sinner mit einem überraschend frühen Aus das Turnier geöffnet hat.
Genau deshalb suchen viele jetzt nach zverev vs: Das Duell ist zum Prüfstein eines Mannes geworden, der als klarer Favorit gilt, aber in den größten Momenten seiner Laufbahn immer wieder an Grenzen gestoßen ist. Jakub Mensik, Flavio Cobolli und Matteo Arnaldi sind erstmals in einem Grand-Slam-Halbfinale, und für sie zählt vor allem, dass sie nichts zu verlieren haben.
Für Zverev geht es um mehr als um einen Platz im Endspiel. Er trägt noch immer die Narbe des US-Open-Finals 2020, als er Dominic Thiem eine Zwei-Satz-Führung überließ, und er hat offen gesagt, dass ihn diese Niederlage mental neu ausrichten musste. Paris weckt deshalb nicht nur Hoffnung, sondern auch alte Fragen nach seiner Standfestigkeit, wenn die Runden spät und die Einsätze hoch werden.
Die jüngsten Resultate machen den Druck nur sichtbarer. Zverev verlor auf Pariser Sand gegen Carlos Alcaraz und in Melbourne gegen Sinner, nach der Niederlage dort fühlte er sich nach eigener Darstellung völlig ausgelaugt. Dass er nun wieder als undisputed front-runner in ein Halbfinale geht, passt zu seiner Klasse, aber auch zu seiner Geschichte: Er kommt oft in Reichweite, doch die entscheidenden Schritte blieben ihm zuletzt zu oft verwehrt.
Hinzu kommt die nüchterne Seite des modernen Tennis. Wer in Paris das Finale erreicht, sichert sich ein Preisgeld von mehr als einer Million Euro, und genau an dieser Schwelle wird aus einem offenen Tableau ein Test für Nerven, Erfahrung und Belastbarkeit. Billie Jean King hat einmal gesagt, Druck sei ein Privileg; für Zverev ist das in dieser Woche kein Spruch, sondern der Maßstab für seinen nächsten Auftritt.
Am Freitag kann er die offene Lage nutzen und den Druck auf die erste große Finalchance seit langem in einen Schritt Richtung Titel verwandeln. Oder einer der drei Außenseiter macht aus der neuen Freiheit des Turniers ein Problem für den Mann, der in Paris eigentlich die Richtung vorgeben soll.

