Paulina Núñez brachte den Konflikt im Frauenministerium am Morgen bei einem Treffen mit José Antonio Kast in Cerro Castillo zur Sprache. Die Präsidentin des Senats legte damit einen internen Streit der Regierung direkt vor das Staatsoberhaupt, nachdem die RN-Parlamentarier im Anschluss an die erste Cuenta Pública Koordination in ihrem Lager stärken wollten.
Für Núñez war das Thema nicht abstrakt. Sie stellte die Lage in den Mittelpunkt ihrer Intervention und machte klar, dass es im Ministerium nicht weitergehen könne wie bisher. „No se puede seguir trabajando así“, sagte sie und drängte darauf, eine Lösung zu finden, bevor die Spannungen die Arbeit der Behörde weiter lähmen.
Im Zentrum des Konflikts steht Daniela Castro, die als Untersekretärin im Frauenministerium die RN-Vertreterin in der Behörde ist. Núñez verteidigte Castros Arbeit und verwies auf die enge Beziehung zwischen beiden, die nach ihren Angaben bis ins Jahr 2015 zurückreicht. Castro war bei der letzten Wahl Kandidatin für die Abgeordnetenkammer in der Region Antofagasta, und Núñez unterstützte ihre Bewerbung damals auch bei mehreren Wahlveranstaltungen.
Der Streit ist inzwischen weit über persönliche Nähe hinausgewachsen. Zwischen Castro und Ministerin Judith Marin, die als konservativer gilt, während Castro dem liberalen Flügel von RN zugerechnet wird, ist das Verhältnis demnach völlig zerbrochen. Die Reibung begann mit ideologischen Differenzen und verschärfte sich bei der Frage, wie eigenständig Castro im Ressort agieren kann und wie das interne Funktionieren des Ministeriums gesichert werden soll.
Besonders heikel wurde es bei der Forderung nach dem Rücktritt von Sernameg-Direktorin Priscilla Carrasco. Núñez stellte sich gegen diese Bitte, obwohl Carrasco damals in Krebsbehandlung war. Genau an diesem Punkt wurde die politische und menschliche Dimension des Konflikts sichtbar: Was als Verwaltungssache begann, ist zu einer offenen Konfrontation zwischen zwei Frauen im selben Regierungsbereich geworden.
Dass Núñez das Thema ausgerechnet bei Kast auf den Tisch legte, zeigt, wie ernst die Lage in RN und im Frauenministerium geworden ist. Marin reagierte bereits in einem Interview mit La Tercera auf Núñez. Offen bleibt nun, ob der Präsident oder die Regierung nach dem Treffen in Cerro Castillo irgendeinen konkreten Schritt setzen wird, um den offenen Bruch im Ressort zu entschärfen.

