Slovenien trifft am Donnerstagabend im Stadion Stozice in Ljubljana auf Zypern, und für Bostjan Cesar ist es mehr als nur ein Freundschaftsspiel. Es ist der nächste Gradmesser nach dem ersten kurzen Eindruck seines neuen Kaders, der ohne Benjamin Sesko auskommen muss und doch erwarten lässt, dass Slovenia gegen Cyprus die Kontrolle übernimmt.
Warum das jetzt gesucht wird, liegt auf der Hand: Beide Teams standen zuletzt im März auf dem Platz, beide bereiten sich auf ihre Nations-League-Gruppen vor, und beide wollen vor dem Herbst Rhythmus sammeln. Slovenia trifft später in der Gruppe auf Schottland, Nordmazedonien und die Schweiz, Cyprus auf Armenien, Lettland und Montenegro, und das Spiel in Ljubljana ist der erste echte Prüfstein nach der März-Pause.
Für Slovenia bringt der Abend auch ein Stück Selbstprüfung mit. Die Mannschaft blieb in der Weltcup-Qualifikation im vergangenen Jahr ohne Sieg, wurde in Gruppe B Dritter und erzielte in neun Spielen nur drei Tore. Cesars erste Testphase begann im März mit der 0:1-Niederlage in Ungarn, ehe ein 3:2-Sieg in Podgorica gegen Montenegro etwas Luft verschaffte. Zan Vipotnik steuerte dabei zwei Treffer bei und rückte damit sofort in den Mittelpunkt der Diskussion um den Angriff, zumal er in der vergangenen Saison für Swansea 25 Tore erzielte. Auch Andraz Sporar kommt als Option infrage.
Genau dort liegt die Reibung dieses Spiels: Slovenia geht als klar stärkeres Team in die Partie, liegt im FIFA-Ranking rund 68 Plätze vor Cyprus und sollte den Abend eigentlich bestimmen. Aber die Auswahl von Cesar ist noch nicht wirklich angekommen. Timi Max Elsnik und Jon Gorenc Stankovic wurden nicht berufen, drei Debütanten gehören zum Aufgebot, und mit Sesko fehlt der offensichtliche Fixpunkt im Sturm wegen einer Schienbeinverletzung. Das macht aus einem vermeintlich bequemen Heimspiel eine Prüfung für die Frage, ob der neue Aufbau schon trägt oder noch sucht.
Cyprus reist dagegen mit anderem Auftrag an. Das Team steht in der FIFA-Rangliste auf Platz 126, wurde in seiner WM-Qualifikationsgruppe Vierter und verpasste die Playoff-Ränge um neun Punkte. Von den letzten zwölf Spielen gewann Cyprus nur drei, zwei davon gegen San Marino, doch im März gab es mit dem Heimsieg gegen Moldova wieder einen brauchbaren Ansatz. Charalampos Charalampous traf damals in Nicosia doppelt, und Akis Mantzios geht nun mit frischem Vertrag bis 2029 in die nächsten Aufgaben. Dass Cyprus die Partie in Ljubljana und das Freundschaftsspiel am Sonntag gegen Liechtenstein nutzen kann, um neues Personal zu sehen, passt zum jetzigen Stand besser als große Ansagen.
Am Ende geht es in Ljubljana weniger um das Etikett eines Tests als um die Frage, ob Slovenia ohne Sesko schon genügend Wucht entwickelt, um das Pflichtprogramm der Nations League ernsthaft anzugehen. Für Vipotnik könnte der Abend die nächste Chance sein, aus einem guten März ein Argument für den Herbst zu machen.

