Vor dem Finals-Auftakt zwischen den San Antonio Spurs und den New York Knicks stand am Vorabend nicht der Spielplan im Mittelpunkt, sondern Victor Wembanyama. Der 22-Jährige geht in seine erste Playoff-Runde und hat längst die Art von Aufmerksamkeit ausgelöst, die sonst nur den ganz großen Serien vorbehalten ist.
Jalen Brunson brachte es am klarsten auf den Punkt: Wembanyamas Spiel auf beiden Seiten des Feldes sei etwas, das man für einen Spieler seiner Größe so noch nie wirklich gesehen habe. Für die Knicks ist das mehr als höfliches Lob. Es erklärt, warum der 7-Fuß-4 große Franzose vor dem ersten Spiel der NBA Finals zum Thema Nummer eins wurde.
Wembanyama, 2,24 Meter groß, hat die Spurs in seiner dritten NBA-Saison von einer 22-Siege-Spielzeit in seinem Debütjahr zu einer 62-Siege-Saison und damit bis in die Finals geführt. Er wurde in dieser Saison einstimmig zum Defensive Player of the Year gewählt und führte die Liga zum dritten Mal nacheinander bei den Blocks an. Schon 2023-24 hatte er den Rookie-of-the-Year-Preis gewonnen. Für ein Team, das noch vor kurzem ganz anders aussah, ist das der Grund, warum aus einer jungen Hoffnung binnen kurzer Zeit ein Titelkandidat wurde.
Gerade deshalb beschäftigen sich die Knicks so offen mit der Frage, wie man ihn überhaupt verteidigt. Josh Hart sagte, er wisse nicht, ob man sich wirklich auf Wembanyama vorbereiten könne, weil es keine ähnliche Situation gebe. Zugleich müsse man sich über die eigenen Gewohnheiten und die nötige Disziplin definieren, sonst werde es gegen ihn schnell chaotisch. Hart machte auch klar, dass San Antonio nicht nur aus einem Spieler bestehe, selbst wenn Wembanyama der auffälligste Punkt im Matchup sei.
OG Anunoby zog den Vergleich zu Nikola Jokic, Kristaps Porzingis und Joel Embiid, sagte aber, Wembanyama sei anders, weil er größer sei und alles könne. Karl-Anthony Towns nannte ihn ein besonderes Talent und sagte, die NBA sei glücklich, ihn zu haben; für die Knicks gehe es nun darum, ihren Plan mit Disziplin und sauberer Ausführung umzusetzen. Das ist die Reibung vor Spiel eins: Sie können ihn nicht wirklich simulieren, müssen ihn aber trotzdem kontrollieren.
Genau darin liegt die offene Frage dieses Abends. Die Spurs bringen einen 22-Jährigen ins Finale, der im ersten Playoff-Lauf seiner Karriere schon als Defensive Player of the Year und früherer Rookie of the Year ankommt. Die Knicks bringen das Wissen mit, dass es gegen Wembanyama keinen einfachen Vorbereitungstermin gibt. Am Ende entscheidet nicht, wer ihn am besten bewundert, sondern wer ihn im ersten Spiel der Finals am härtesten in Grenzen hält.

