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Blindgänger Film: Hamburgs Schanze, Gefahr und ein Krebsbefund

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In Kerstin Poltes Film „Blindgänger“ wird eine Baustelle im Hamburger Schanzenviertel zum Krisenort. Dort taucht ein Weltkriegsblindgänger auf, eine 1.000-Pfund-Bombe, die bei einer Explosion weite Teile der Schanze verwüsten würde.

Gerade deshalb rückt der Blindgänger Film jetzt in den Blick: Er verbindet eine akute Gefahr mit Menschen, die mitten in diesem Ausnahmezustand privat schon aus dem Gleichgewicht geraten sind. KRD-Mitarbeiter hat gerade erfahren, dass seine Prostata von Krebs betroffen ist. Als seine Frau ihm gesteht, dass sie eine Affäre hat, nimmt er das kaum noch wahr.

Weil Otto gesundheitlich angeschlagen ist, soll ein Kollege die Leitung des Teams übernehmen. Doch die Lage am Fundort bleibt heikel. Der Sprengsatz hat einen Langzeitzünder, kann schon auf die kleinste Erschütterung reagieren, der Boden ist extrem instabil, und ein heraufziehender Sturm setzt die Einsatzkräfte zusätzlich unter Druck. bekommt bei dieser gefährlichen Aufgabe eine Panikattacke. Polte interessiert sich dabei weniger für den Thriller-Moment als für die Reaktionen der Menschen und die Beziehungen zwischen ihnen.

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Das passt zu einem Alltag in Deutschland, in dem im Schnitt rund 5.000 nicht explodierte Bomben pro Jahr gefunden werden. Gerade Städte, die im Krieg schwer bombardiert wurden, leben noch immer mit dieser Altlast. „Blindgänger“ ist ruhig erzählt, folgt keiner einzelnen Hauptfigur und begleitet verschiedene Menschen nacheinander. Dazu gehört auch Ottos Beziehung zum Travestie-Künstler , die dem Film eine weitere private Ebene gibt. Ob der Blindgänger am Ende entschärft wird, bleibt offen. Genau darin liegt der Nachhall des Films: Die Bombe ist explosiv, aber am längsten bleibt, wie sehr sie die Menschen schon vorher verändert.

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