Italien reist am Mittwoch nach Luxemburg und setzt dort unter Silvio Baldini als Interimscheftrainer den ersten Schritt nach dem verpassten WM-Ticket. Für die Azzurri ist es das erste Spiel seit dem dramatischen Playoff-Aus, und für viele Spieler im Kader die erste Chance, sich auf Seniorenniveau zu zeigen.
Warum genau dieses Spiel jetzt gesucht wird, liegt auf der Hand: Baldini ist erst einmal nur auf Zeit im Amt, nachdem Gennaro Gattuso nach seiner Verpflichtung wieder gegangen war und Luciano Spalletti nach dem 3:0 in Norwegen entlassen worden war. Der bisherige U21-Betreuer hat damit eine Mannschaft übernommen, die vor allem aus Talenten der Nachwuchsteams besteht und die in Luxemburg nicht nur Ordnung, sondern auch eine Richtung finden soll.
Im Kader stehen nur vier Spieler, die bereits ein A-Länderspiel absolviert haben: Gianluigi Donnarumma, Marco Palestra, Niccolo Pisilli und Pio Esposito. Davide Bartesaghi, Samuele Inacio und Honest Ahanor könnten dagegen ihr erstes Azzurri-Spiel machen. Das passt zu einer Auswahl, die bewusst jung gehalten ist, weil Italien nach der nächsten Weltmeister-Endrunde greift und zugleich eine neue UEFA-Nations-League-Kampagne im Herbst vorbereitet.
Gerade deshalb hat die Partie ein Gewicht, das über einen gewöhnlichen Test hinausgeht. Italien ist viermaliger Weltmeister und hatte 2021 die EM gewonnen, doch das Team verpasste erneut eine WM-Endrunde, nachdem es im entscheidenden Playoff nach einem 1:1 gegen Bosnien und Herzegowina im Elfmeterschießen an einem Gegner scheiterte, der in der FIFA-Weltrangliste 58 Plätze hinter ihm lag. Der Neustart unter Baldini ist also keine Kür, sondern eine Reaktion auf einen weiteren verpassten Sommer.
Luxemburg kommt dabei nicht als bloßer Statist nach Perugia-Rechnung in dieses Spiel. Das Team von Jeff Strasser blieb in der WM-Qualifikation gegen Deutschland, die Slowakei und Nordirland ohne Punkt, schloss die Nations League 2024-25 in League C Group 3 mit drei Punkten auf dem letzten Platz ab und hatte in sechs Spielen keinen Sieg geholt. Erst im März feierte Strasser seinen ersten Erfolg, als Luxemburg Malta zu Hause und auswärts in der Auf- und Abstiegspartie bezwang.
Die Bilanz gegen Italien spricht dennoch klar gegen die Gastgeber. Das letzte Aufeinandertreffen endete vor 12 Jahren in Perugia 1:1, nachdem Luxemburg zuvor fünf direkte Duelle verloren hatte. Nach dem Spiel gegen Italien wartet Albanien auf Luxemburg, bevor im September die nächste Nations-League-Runde mit der Reise nach Bulgarien beginnt. Für Baldini bleibt unterdessen die entscheidende offene Frage, wie er seine junge Mannschaft in diesem ersten Auftritt ordnet, wenn aus einem Übergang mehr werden soll als nur ein Zwischenstopp.

