Die Wiener Festwochen haben die geplante Debatte mit Peter Thiel am Samstagabend abgesagt. Milo Rau sagte, er habe das Format gestoppt, weil ein Boykott unter den Beteiligten das Festival selbst zu gefährden begann.
Dass die Absage gerade jetzt bekannt wurde, hat mit einer Woche Streit in Wien zu tun. Seit Tagen wurde diskutiert, ob Thiel überhaupt zu den Festwochen kommen würde, und Rau stand dabei im Zentrum, weil er das Gespräch seit vergangenem Herbst vorbereitet hatte. Nach seinen Angaben war das Format so angelegt, dass Thiel nicht einfach reden, sondern strukturiert konfrontiert und in einen Zusammenhang gesetzt werden sollte.
Rau sagte, Thiel habe diese Form der Debatte akzeptiert und erklärt bekommen, dass er in seiner Verantwortung für das Festival handeln müsse. Thiel habe darauf geantwortet, er habe mit einer Absage gerechnet, sagte Rau. Gleichzeitig betonte er, die Debatte sei von einem demokratischeren Entscheidungsverfahren der Festwochen und von Experten getragen worden. Er habe das Gespräch sogar für demokratiepolitisch relevant gehalten.
Doch genau dort lag der Bruch. Unter den Teilnehmern habe sich eine Boykottbewegung gebildet, einzelne hätten mit Rückzug gedroht, und nach der Absage von Geoffroy de Lagasnerie habe sich der Druck weiter verstärkt. Rau sagte, er habe die Veranstaltung deshalb nicht mehr halten können. Das Festival sei „ganz klar festival-gefährdend“ geworden, sagte er, und er habe es am Ende schützen müssen, weil er es nicht für eine einzige Sache opfern könne, die er wichtig finde.
Die Absage zeigt, wie schnell eine einzige Einladung bei den Festwochen in eine Grundsatzfrage kippen kann: Wer darf sprechen, unter welchen Bedingungen, und wie viel innerer Widerspruch hält ein Festival aus, bevor es selbst ins Wanken gerät? Rau machte zugleich deutlich, dass die Linie der Festwochen nicht beliebig ist. In den internen Regeln werde eine Grenze dort gezogen, wo jemand mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sei oder voraussichtlich kommen werde; außerdem würden die Festwochen keine Vertreter von Hamas einladen. Ob Thiel zu einem späteren Festwochen-Termin doch noch auftaucht, ist offen.

