Lesen: Florian Scheuba über Braco und Egisto Ott: zwei Wiener Schauplätze

Florian Scheuba über Braco und Egisto Ott: zwei Wiener Schauplätze

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Mit einem spitzen Vergleich hat am 27.5.2026 Bracos Auftritt bei der Eröffnung der neben Egisto Otts Verteidigung im Gerichtssaal gestellt. Was auf den ersten Blick wie zwei völlig getrennte Wiener Szenen wirkt, beschreibt er als zwei Varianten derselben öffentlichen Pose: Show nach außen, Behauptung nach innen.

Gerade deshalb wird die Glosse jetzt gelesen. stand bei der Festwochen-Eröffnung mit seinem „gebenden Blick“ auf der Bühne, und Intendant nannte das einen „kleines Kunstwerk der Menschlichkeit“. Scheuba lässt diese Würdigung nicht einfach stehen. Er stellt daneben, dass der in dem Text als kroatischer Esoteriker beschriebene Braco für Menschen präsentiert wurde, die sich auf seinen Blick statt auf medizinische Hilfe verlassen haben sollen. Der Kontrast zwischen pathetischer Kunstsprache und dem Bild eines Scharlatans trägt den Text.

Bei Ott wird der Ton noch schärfer. Der frühere Verfassungsschützer verteidigte sich vor Gericht mit dem Hinweis auf eine geheime „“ und erklärte auf Nachfrage, warum er nicht einfach online kontaktiert habe: „Döös mocht ma need.“ Dazu kam seine Selbstbeschreibung: „Ich bin so auf die Art freischaffend journalistisch tätig. Ich recherchiere zu Schweinereien, die im Geheimdienst oder Nachrichtendienst passieren.“ Scheuba setzt genau an diesem Punkt an, weil Ott damit eine Rolle beansprucht, die nach Aufklärung klingt, während ihm zugleich vorgeworfen wird, für den russischen Agenten Jan Marsalek Grozevs Adresse beschafft zu haben.

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Der Hintergrund macht den Vergleich so wirkungsvoll: Grozev lebte zu diesem Zeitpunkt in Wien, und der Text verweist darauf, dass er Ziel von Racheplänen Putins gewesen sei. So rücken zwei sehr verschiedene Figuren in dieselbe Grauzone zwischen Auftritt, Selbstinszenierung und moralischer Entgrenzung. Braco verkauft Heilung mit Blicken, Ott verkauft sich als Ermittler von Geheimdienstschweinereien — und beide werden vor Publikum verhandelt. Was danach aus Otts Verfahren wird, lässt die Glosse offen; genau darin liegt ihre letzte Schärfe. Der öffentliche Auftritt ist da, das Urteil noch nicht.

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