Die Diskussion über neue MLB-Teams hat in dieser Woche einen harten Realitätscheck bekommen. Während Städte wie Sacramento weiter auf eine Expansion drängen, sagten mehrere Besitzer und Funktionäre der Liga, das Thema stehe derzeit nicht wirklich auf der Tagesordnung.
Dass die Debatte trotzdem so laut geführt wird, zeigte ein aufwendiger Auftritt in Sacramento mit Ballons, Baseballkappen, Politikern und Dusty Baker. Die örtliche Gruppe stellte sich selbstbewusst vor und sagte, sie habe das Geld, das Land und die Leidenschaft für den Sprung in die Liga. Genau dieses Bild war der Grund, warum die Suche nach Teams so viel Aufmerksamkeit bekommt: Wer heute in der Öffentlichkeit für eine Franchise wirbt, will in dem Moment bereit sein, in dem MLB wirklich handelt.
Aus der Liga kam jedoch wenig Ermutigung. Ein langjähriger MLB-Manager sagte, er glaube nicht, dass es passieren werde. Ein Eigentümer ging noch weiter und nannte eine Expansion „stupid“. Ein anderer Besitzer sagte, es sei „not anything that’s being discussed right now“, und fügte hinzu, dass er das wisse. Für Städte, die seit Monaten oder Jahren an ihrer Bewerbung arbeiten, ist das ein deutliches Signal: Die Kampagne läuft, aber die Tür ist bei den Klubbesitzern noch nicht offen.
Besonders brisant ist das Timing. MLB befindet sich in frühen Gesprächen über einen neuen Tarifvertrag mit der Spielergewerkschaft, und über Expansion wurde dort bisher nicht gesprochen. Nach Einschätzung mehrerer Beteiligter dürfte das Thema erst nach einer Einigung auf einen neuen CBA wieder auf den Tisch kommen. Das ist mehr als nur ein Verfahrensdetail. Zwei neue Teams würden 52 zusätzliche Jobs schaffen, und die erwarteten Expansion fees könnten pro Franchise bei vielleicht 3 Milliarden Dollar liegen. Gleichzeitig würde eine Liga mit 32 Teams einen 162-Spiele-Spielplan leichter machen als das derzeitige System mit 30 Teams.
Genau dort liegt der politische Riss innerhalb der Liga. Rob Manfred hat bereits öffentlich gesagt, er wolle vor seinem Abschied im Januar 2029 zwei weitere Teams hinzufügen. Auf dem Pat McAfee Show begründete er das mit einem einfachen Gedanken: Wenn Menschen Ihr Produkt wollten, müsse man versuchen, es ihnen zu liefern. Doch dieser Anspruch trifft auf Besitzer, die den Prozess ausbremsen oder gar ablehnen. Während Manfred Expansion als Teil seines Vermächtnisses sieht, wollen einige Klubs davon offenbar gerade nichts wissen.
Und die Städte hören nicht auf, sich zu positionieren. Nashville setzt auf ein starbesetztes Beraterteam und eine Geschäftsstelle, die ständig Pressemitteilungen verschickt, und hat sogar schon einen Teamnamen ausgewählt, obwohl es keinen tatsächlichen Eigentümer gibt. Vancouver sucht bereits Investoren, Salt Lake City hat die vorbereitenden Arbeiten im Boden, und auch Charlotte, Portland, Orlando und Montreal werden als mögliche Bewerber genannt. Die Folge ist eine seltsame Schieflage: draußen laufen die Werbekampagnen auf Hochtouren, drinnen bremst die Liga.
Vor diesem Hintergrund spricht wenig dafür, dass MLB in nächster Zeit eine Entscheidung erzwingt. Wahrscheinlicher ist, dass Expansion erst nach dem nächsten CBA wieder konkret wird. Dann wird sich zeigen, ob die Liga wirklich auf 32 Teams zusteuert — und welche Stadt als Erste aus den vielen Bewerbern am Ende nicht nur Ballons und Baseballkappen hat, sondern ein echtes Team.

