Bild zeigt die Dokumentation „Unraveling UNRWA“ seit Freitag exklusiv online. Für 14 Tage ist der Film damit erstmals für ein deutsches Publikum frei abrufbar, nachdem weder das ZDF noch ARTE ihn ausgestrahlt haben.
Gerade jetzt dürfte der Film gesucht werden, weil er an den 7. Oktober anknüpft, an Vorwürfe gegen UNRWA-Mitarbeiter wegen Entführungen und an die Frage, wie es in Gaza nach dem Angriff und der anhaltenden Krise weitergehen soll. Die Produktion war ursprünglich für ZDF und den israelischen Sender KAN gedacht und greift damit ein Thema auf, das in Deutschland und Europa wegen der Milliardenhilfen an die Organisation seit Jahren politisch aufgeladen ist.
Reinhardt Beetz sagte, weder der öffentlich-rechtliche Sender noch der deutsch-französische Kanal hätten den Film trotz früherer Absprachen gezeigt. Er nannte die Dokumentation zu wichtig, um sie dem deutschen Publikum vorzuenthalten, weil sie ein Gespräch darüber eröffne, wie es überhaupt weitergehen solle, und begrüßte ausdrücklich, dass Bild sie nun online zeige.
Das ZDF begründete die Ablehnung mit einer Häufung von Projekten zum Themenfeld Nahost bei zugleich begrenzter Zahl von Einbringungen für den Themenabend am Dienstag. Genau darin liegt der Reibungspunkt des Films: Er zeichnet UNRWA als Teil des Problems und beschreibt zugleich eine Organisation, die für Millionen Palästinenser überlebenswichtig sein könnte. Der Film legt nahe, dass ihre Projekte seit Jahren Israel-Hass befördern, und verweist auf Israels gesetzgeberische Initiative, die Beziehungen zu UNRWA zu beenden.
Auch die Wortwahl der Beteiligten macht klar, warum die Veröffentlichung jetzt mehr ist als nur ein Medienthema. James Lindsay sagt in dem Film, UNRWA habe sich nie gegen Hamas gewehrt, das sei der größte Fehler. Zugleich fließen nach Darstellung der Dokumentation Milliarden aus Deutschland und Europa in die Organisation, die seit 77 Jahren im Zentrum des Nahostkonflikts steht. Dass Bild den Film nun für zwei Wochen zugänglich macht, verschiebt die Debatte dorthin, wo sie politisch am heikelsten ist: ob Hilfe, Vorwürfe und Sicherheitsinteressen noch gemeinsam zu beantworten sind.
