Eugenio Chacarra brach letzte Woche mitten im Playoff eines US-Open-Qualifiers im Dallas Athletic Club ab und entschied sich stattdessen für den Flug nach Belgien. Der 26-Jährige wollte rechtzeitig zur Soudal Open ankommen, um sich auszuruhen und die Platzrunde vorzubereiten.
Für Chacarra steht dabei mehr auf dem Spiel als ein einzelnes Turnier. Er jagt über die DP World Tour eines von zehn PGA-Tour-Tickets für nicht freigestellte Mitglieder, und genau deshalb wog die Reise nach Europa für ihn schwerer als die Aussicht auf einen letzten Platz im US-Open-Quali-Playoff. Caleb Surratt sicherte sich am ersten Extraloch mit einem Birdie das letzte garantierte Ticket für die Major-Meisterschaft in Shinnecock Hills, während Chacarra den weiterlaufenden Kampf um einen alternativen Weg ins Feld hinter sich ließ.
Chacarra sagte, sein Ziel sei es, die PGA-Tour-Karte über die DP World Tour zu holen, und für Belgien brauche er den Flug, um dort schlafen und trainieren zu können. „Wenn man nach Europa fliegt, verliert man einen Tag“, sagte er sinngemäß und machte klar, dass dies seine einzige Chance gewesen sei, rechtzeitig anzukommen. Er hielt den Verzicht auf den Playoff-Fortgang für sinnvoller, als einen Flug für sich und sein Team zu verpassen, nur um auf einen alternativen Startplatz zu hoffen, den er selbst nicht sicher hatte.
Die Entscheidung passt zu einem Karriereweg, der in kurzer Zeit mehrfach gedreht hat. Chacarra verbrachte die ersten drei Jahre seiner Profilaufbahn auf LIV Golf, verdiente dort über 34 Events rund 16 Millionen Dollar und verließ Sergio Garcias Fireballs GC zum Ende der Saison 2024. Im Februar zog er sich wegen mentaler Belastungen, die womöglich mit Burnout zusammenhingen, kurzzeitig vom Tourbetrieb zurück. Im März gewann er mit einer Sponsoreneinladung die Hero Indian Open und sicherte sich damit die Spielberechtigung auf der DP World Tour.
Genau dort liegt nun seine Chance. In der Wertung lag Chacarra nach der Soudal Open auf Platz 22, vier Ränge hinter den Plätzen, die am Ende die PGA-Tour-Karten bringen. Dass er in Dallas lieber den Weg nach Belgien nahm, zeigt, wie eng sein Kalender und sein Ziel miteinander verbunden sind: Erst mit den richtigen Punkten und der richtigen Vorbereitung kann er das Fenster zur PGA Tour offen halten. Für Chacarra ist die Rechnung deshalb nüchtern geblieben: Ruhe, Vorbereitung und Ranglistenpunkte zählen im Moment mehr als ein improvisierter Griff nach dem letzten Strohhalm im US-Open-Qualifier.

