David Raya kann am Samstag etwas erreichen, das im europäischen Spitzenfußball fast niemand geschafft hat: Der 30 Jahre alte Arsenal-Torhüter steht vor dem Sprung ins Champions-League-Finale, nachdem seine Laufbahn in der Non-League begonnen hat. Gegen Paris St-Germain könnte er erst der dritte Spieler überhaupt werden, dem dieser Weg gelingt.
Dass sein Name jetzt so oft fällt, liegt an diesem Termin. Arsenal trifft am Samstag auf den Titelverteidiger Paris St-Germain, und in einem Spiel dieser Größenordnung wird jede Vorgeschichte sofort Teil der Partie. Raya kommt nicht nur als Premier-League-Sieger mit Arsenal und Europameister mit Spanien in das Finale, sondern als Torwart mit einer Karriere, die für die meisten Profis gar nicht erst denkbar gewesen wäre.
Sein Weg begann in den Jugendteams von Cornella, ehe er 2012 nach Blackburn ging, nachdem eine Verbindung zwischen den Klubs jungen spanischen Spielern Probetrainings in Lancashire ermöglichte. Zwei Jahre später rutschte er noch tiefer hinab, drei Ligen weiter nach unten zu Southport, damals ein kämpfender Fünftligist. Die Leihe dauerte nur vier Monate, aber sie zeigte, wie weit er sich in England erst einmal nach hinten arbeiten musste, bevor der Aufstieg beginnen konnte.
Paul Carden, der damals bei Southport arbeitete und selbst aus Blackburns Akademie dorthin kam, erinnerte sich daran, wie schnell ihm Ryaas Qualität auffiel. Carden sagte, er habe sofort gesehen, dass Raya wirklich gute Fähigkeiten habe. Über den späteren Aufstieg meinte er, niemand habe das vollständig vorhersehen oder schreiben können, auch wenn man es ihm nicht völlig verwehrt hätte, und fügte hinzu, Raya verdiene Anerkennung dafür, dass er einen Weg gegangen sei, den viele junge Spieler nicht nehmen wollten, weil sie nicht raus in den Non-League-Fußball gehen und dort auch noch zupacken wollten.
Genau darin liegt die Eigenart dieser Geschichte. Steve Finnan kam einst über Welling United in der National League bis ins Finale und hob 2005 mit Liverpool den Titel. Chris Smalling spielte vor dem Endspiel 2011 für Maidstone und saß beim verlorenen Finale von Manchester United gegen Barcelona nur auf der Bank. Raya würde sich in diese winzige Gruppe einreihen, obwohl sein Weg noch rauer wirkte als der übliche Aufstieg eines europäischen Finaltorhüters.
Die Bruchstelle in dieser Laufbahn macht den Reiz der Geschichte aus. Im September 2014 stand Raya mit Southport in Moss Rose bei einer 0:3-Niederlage gegen Macclesfield vor weniger als 1.500 Zuschauern im Tor. 2015 hielt er im FA Cup gegen Derby County noch für Southport dagegen. Dass derselbe Mann nun in einem Champions-League-Finale gegen Paris St-Germain aufläuft, zeigt, wie weit ein Spieler kommen kann, der nicht auf dem glatten Weg der Nachwuchsakademien geblieben ist.
Für Arsenal ist das mehr als eine hübsche Randnotiz. Gegen Paris St-Germain geht es nicht um Karriere-Mythen, sondern um einen Titel, und Raya wird im Tor stehen, wenn ein einziger Fehler teuer werden kann. Die offene Frage ist deshalb nicht, ob seine Laufbahn außergewöhnlich ist. Sie ist, ob er sie am Samstag mit einer Leistung krönt, die zu diesem ungewöhnlichen Weg passt.

